Von Barbara Franck

Das tansanische Städtchen Marangu am Fuße des Kilimandscharo ist Ausgangspunkt für unser Abenteuer. Im „Marangu“- und im „Kibo“-Hotel treffen sich die Gruppen, starten die Einzelkämpfer. Das Kibo-Hotel ist seit Jahrzehnten fest in deutscher Hand wie in kolonialen Zeiten der Kilimandscharo. Es war ein Deutscher, dem es 1889 zum erstenmal gelang, den Gipfel zu erklimmen: Hans Meyer, genannt Meyer-Kilimandscharo.

Sein Bericht dieser Premiere hängt in der Halle des Hotels, wie überhaupt der Geist des Berges durch alle Räume weht. Kein Zimmer ohne „Schnee auf dem Kilimandscharo“, mit Elefant oder Nashorn davor, in Öl oder Tusche.

Bevor der tansanische Rotwein für die Bettschwere sorgt, wird unsere (es sind fünf Männer und ich) Ausrüstung durchgecheckt, ergänzt und in wasserdichte Säcke verpackt. Neben Schlafsack und dünner Matratze werden mir in der Kleiderkammer ausgehändigt: ein wollenes Unterhemd, eine lange Herrenunterhose, eine Kniebundhose der gleichen unheimlichen Größe, ein wattierter Anorak, handgestrickte Kniestrümpfe, Handschuhe, Mütze, Bergstiefel für die letzte Etappe und eine Schneebrille.

Von „da oben“, wo diese wärmenden Hüllen nötig sein werden, trennen uns beim Start am nächsten Morgen noch 55 Kilometer Weges und runde vier Höhenkilometer. Noch sind wir leicht gekleidet, haben nur Pullover und Regenmantel für alle Fälle im Rucksack verstaut. Den Rest unseres Gepäcks sowie die Kisten mit Lebensmitteln teilen sich zehn einheimische Träger. Und dann geht’s los: Voran unser Führer (er heißt Herrmann), der sogleich das Motto für die nächsten fünf Tage ausgibt: „Slowly, slowly.“ 4000 Leute brechen etwa im Jahr zum Gipfel auf, 80 Prozent davon erreichen ihn. Von den sechs Prozent Frauen schaffen es 98 Prozent.

Es geht stetig bergan. Auf staubiger Schotterstraße, die durch Kaffee- und Bananenplantagen führt, vorbei an Hütten und Häusern, Mais- und Sisalfeldern. Obwohl wir nur Sonnenhüte auf dem Kopf tragen und keine Kisten oder Säcke, eilen die Träger uns bald leichtfüßig voraus.

Am Tor zum „Kilimanjaro-National-Park“ beginnt der lianenverhangene tropische Regenwald, Affen turnen durch die grünen Wände zu beiden Seiten des Weges. Der Berg wurde 1973 zum Naturschutzgebiet erklärt, und seither wachen 200 Ranger streng darüber, daß niemand von der vorgeschriebenen Route abweicht. Als der gemütliche Waldpfad in ein steiniges Bachbett übergeht, kommen uns zwei Däninnen entgegen, die bei der zweiten Hütte aufgegeben haben. Keiner wagt so recht, sich darüber zu mokieren.