Die Ungelöstheit der großen politischen Menschheitsfragen läßt den einzelnen, ja auch die führenden Politiker jeder besonderen Gruppe, mit dem Erlebnis der Machtlosigkeit zurück. Aber diese Entmutigung wäre unberechtigt. Nur wenn wir die Probleme nicht einmal sehen, haben wir keine Aussicht, sie zu meistern.“ Je komplizierter unsere Welt wird, um so lebenswichtiger, aber auch um so schwerer wird die Anstrengung dieses dem Handeln vorausgehenden Sehens.

„Tritt man einen Schritt zurück, um den Diskussionsstand im ganzen zu betrachten, so wird man den schmerzlichen Eindruck nicht los, in welch hohem Grade wissenschaftliche Meinungen ideologischen Charakter tragen.“ Unter diesen Umständen muß der Versuch gewagt werden, im Blick auf die Weltlage und in der kritischen Prüfung der vorliegenden diagnostischen Ansätze zu einer Gesamtorientierung zu gelangen, welche die Fehler und Einseitigkeiten dieser bisherigen Ansätze überwindet.

Damit sind Absicht und Anspruch eines äußerlich eher unscheinbar wirkenden Bändchens angedeutet, das gleichwohl die Skizze einer solchen Gesamtorientierung enthält:

Carl Friedrich von Weizsäcker: „Fragen zur Weltpolitik“; Carl Hanser Verlag, München 1975 (Reihe Hanser 186); 164 S., 9,80 DM.

Erstmals seit der Gründung des Starnberger „Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt“ vor fünf Jahren legt der Autor eine Aufsatzsammlung vor, die sich mit Themen dieses Instituts befaßt. Sie enthält acht einander ergänzende Beiträge aus den letzten beiden Jahren, die teilweise an die Vorarbeiten „Der ungesicherte Friede“ (1969), „Kriegsfolgen und Kriegsverhütung“ (1971) und „Durch Kriegsverhütung zum Krieg?“ (1972) anknüpfen.

Neu ist die Ausweitung der Thematik vom Kriegsproblem auf alle großen Fragen der Menschheit. Im ersten Aufsatz werden die „erste Welt“ des Westens, die „zweite Welt“ des Ostens und die „dritte Welt“ der Entwicklungsländer zunächst „von außen betrachtet“ und dabei die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Probleme der wichtigsten Teilregionen jeder dieser drei Welten skizziert. Themen, die hier und in den folgenden Analysen mehrfach wiederkehren, sind neben der Atomkriegsgefahr und der Problematik konventionell geführter Kriege die Problemfelder der „Grenzen des Wachstums“ – Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung, Energiekonsum und Bevölkerungsentwicklung – sowie das Verhältnis der reichen Länder zur Dritten Welt.

Daß das Buch aus einzelnen Studien besteht, erweist sich dabei als Vorteil, da auf diese Weise die vielfältige Verflochtenheit der genannten Probleme von verschiedenen Seiten her jeweils neu sichtbar gemacht werden kann. So ist ein dichtes Netz von zuweilen vielleicht allzu kurz gefaßten Argumentationen entstanden, ein Text, der wiederholte Lektüre erfordert.