Noch ehe der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen richtig begonnen hat, haben die Akteure ihre psychologische Schlachtordnung wieder geändert. Die CDU, die sich bis vor kurzem siegesgewiß präsentierte, setzt nun auf Messers-Schneide-Stimmung. Ihr Spitzenkandidat Heinrich Köppler äußert sich besorgt: Es steht ein Patt ins Düsseldorfer Parlament. SPD und FDP, die bereits die weiße Flagge hervorzuholen schienen, haben ein neues Banner mit der Inschrift aufgezogen: Koalition 49 Prozent Stimmenanteil, CDU 48 Prozent.

Die Magie der Zahl soll Wähler mobilisieren. Ob der Zauber etwas nutzt? Das wird sich erst am 4. Mai erweisen. Vorerst werden Inflations- und Arbeitslosenraten an Rhein und Ruhr wohl stärker zu Buche schlagen als demoskopische Zahlenspiele.

Immerhin: Einen Pluspunkt kann die Regierung Kühn bereits verbuchen. Willi Weyer, der als Präsident des Deutschen Sportbundes nach Ablauf der Legislaturperiode endgültig Abschied von der Politik nehmen wollte, hat seine Meinung geändert. Der Fall Lorenz und die Sonthofener Strauß-Rede haben bei ihm „zu einer gewissen Reaktivierung“ beigetragen. Die Düsseldorfer Koalition darf wieder mit Big Willi rechnen. Er ist ein erfahrener Politiker, der seinen Finger immer naß im Winde hält. Wenn er wieder mitmachen will, dann ist das ein besseres Omen für den Wahltag als alle vielversprechenden Meinungsumfragen. D. B.