Die Realkreditinstitute mahnen lauthals, sich jetzt mit Hypotheken zu versorgen, „weil sie zu günstigeren Konditionen kaum erhältlich sein werden“. Und die Industrie wird mit der gleichen Begründung von den Banken gedrängt, endlich mit Anleihen an die Börse zu gehen. Daß solche Aussagen von der Geldgeberseite, also auch von den Rentensparern, mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen werden, darf nach dem Kurselend, mit dem lange Zeit die festverzinslichen Papieren leben mußten, niemand Wundern.

Wenn nämlich nach Meinung der Experten die Zinsbewegung allmählich auf ihrem tiefsten Stand angekommen ist, kaufen die Sparer Anleihen und Pfandbriefe zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Beim nächsten Zinsanstieg – und er kommt bestimmt – drohen den Wertpapierbesitzern Kursverluste. Um sie zu vermeiden, engagiert man sich heute vorzugsweise in Emissionen mit kurzen Laufzeiten, bei denen das Kursrisiko begrenzt ist.

Aber nicht nur der „kleine Mann“ neigt zur Vorsicht. Der schleppende Absatz der letzten 8 1/2prozentigen Anleihen macht deutlich, daß auch das jetzt mit Liquidität reichlich versorgte Kreditgewerbe wenig geneigt ist, diese Papiere als eine gute Investition zu betrachten. Sehr zum Mißfallen der Bundesbank, die sich eine flottere Unterbringung der Staatspapiere wünscht. Aber was wird in den Bankbüros gesagt? „Nur ungern kaufen wir die Kursverluste von morgen.“ K. W.