Vor genau einem Monat besetzten die mit Entlassung bedrohten Arbeiter ein Zementwerk im westfälischen Städtchen Erwitte. Schien es noch vor wenigen Tagen, als gehe dieser hart an die Grenzen der Legalität stoßende Arbeitskampf seinem Ende entgegen, weil ein Konkurrenzunternehmen das Werk übernehmen und alle Arbeitsplätze erhalten wollte, so ist neuerdings sogar eine Verschärfung des Konflikts nicht mehr ausgeschlossen.

Die Affäre entwickelte sich so: Der Zementhersteller Clemens Seibel will 86 seiner 151 Mitarbeiter entlassen. Die Beschäftigten protestieren und besetzen schließlich den Betrieb, den sie für wirtschaftlich gesund halten. Sie erhalten Sympathiebekundungen vom (CDU-geführten) Stadtrat und von der Polizei, die der um sein Hausrecht kämpfende Unternehmer vergeblich zu Hilfe gerufen hat. Die zuständigen Arbeitgeberorganisationen, denen Seibel nicht angehört, distanzieren sich von ihm. Dann aber stellt sich heraus, daß zwei andere ortsansässige Zementhersteller an Seibels Unternehmen finanziell beteiligt sind. Sie sollen, so argwöhnen jetzt die Gewerkschaft und ihre Mitglieder, hinter den Entlassungsplänen stehen. Der Arbeitskampf droht auf andere Betriebe überzugreifen.

Auch die Arbeitgeber haben den Eindruck, daß in Erwitte in einem Unternehmen Arbeitsplätze „abgebaut“ werden sollen, das in der Gewinnzone ist. Es liegt nun vor, allem an ihnen, zu verhindern, daß ein „schwarzes Schaf“ das Vertrauen in die freie Unternehmerwirtschaft zerstört. pl