Von Rudolf Herlt

Unser Weltwährungssystem wird mit Mißtrauen betrachtet. Nicht ganz zu Unrecht. Denn was wir gegenwärtig so nennen, verdient den Namen nicht. Ein ideales Währungssystem müßte nach den Erfahrungen, die wir Anfang der siebziger Jahre gemacht haben, schon einiges zu bieten haben.

Es müßte uns ein für allemal von den Währungskrisen befreien, die seit Mitte der sechziger Jahre so viel Unruhe in die Welt gebracht haben. Regierungen, die sich Sünden wider die innere Stabilität ihrer Länder zuschulden kommen lassen, müßten über Sanktionen zu Korrekturen ihrer Politik gezwungen werden. Die Inflation in einem Lande sollte nicht automatisch die Nachbarländer infizieren. Internationale Geldbewegungen, mögen sie durch Zinserwartungen oder durch Spekulationen auf Änderungen der Wechselkurse ausgelöst werden, müßten in Schranken gehalten werden. Die Wechselkurse sollten vor massiven Veränderungen bewahrt werden. Wenn ein Land unverschuldet ins Defizit kommt, weil es mehr ans Ausland zahlen muß, als es von dort einnimmt, sollte es Zugang zu internationalen Krediten haben. Sie sollten aber nicht zu leicht und nicht in jeder Höhe zu haben sein, damit inflatorischer Leichtsinn und mangelnder Widerstand gegen Partikularinteressen nicht auch noch belohnt werden. Schließlich sollte ein ideales Währungssystem sicherstellen, daß sich der Handels- und Kapitalverkehr frei und ungestört entfalten kann.

Nun, ein „währungspolitisches Tischlein-deckdich“ (Emminger) hat es in der Vergangenheit nicht gegeben und es wird uns auch in Zukunft nicht beschert werden. Das System von Bretton Woods, das 25 Jahre lang mit festen Wechselkursen und dem Dollar als Angelpunkt einem beispiellosen Aufschwung des Welthandels gedient hat, zeigte auf seine alten Tage Degenerationserscheinungen. Seine einst brauchbaren Regeln wurden von allen Regierungen mehr und mehr mißachtet.

Wir leben nun einmal in einer Welt mit unterschiedlichen Bedingungen. Klima, Mentalität, Geschichte, geographische Lage, Wertskalen sind nicht überall gleich. Daraus ergeben sich unterschiedliche Inflationsraten und andere Störungen des internationalen Gleichgewichts. Aber die Last des Ausgleichs, der Wiederherstellung des Gleichgewichts, wurde allzulange den gesunden Ländern aufgeladen. Die Mark ist mehrfach, das erstemal schon 1961, aufgewertet worden, um die Störungen für den Welthandel klein zu halten. Andere Länder verteidigten ihre Wechselkurse zu lange. Das Pfund wurde erst 1967, der französische Franc 1969, der Dollar erst 1971 und 1973 abgewertet. Der Preis, der für das Zögern gezahlt werden mußte, war eine sich immer mehr verschärfende Inflation.

Das ganze System der festen Wechselkurse ruhte auf dem Fundament des Dollars, der einst die stärkste Währung war. Unglücklicherweise wurde er durch die Politik amerikanischer Regierungen immer weicher; international war er daher überbewertet. Daraus ergaben sich Kapitalbewegungen, durch Spekulationen angeheizt, aus dem Dollar in andere Währungen, die für sicherer gehalten wurden. Dennoch wurden Paritäten, denen längst das Vertrauen entzogen war, von den Zentralbanken zäh verteidigt, wie das System es befahl. Die Folge war ein unkontrolliertes Anschwellen der Geldmenge in den Ländern, aber auch außerhalb, auf den Euromärkten.

Schon seit August 1971, als Präsident Nixon die Pflicht Amerikas zur Einlösung von Dollar in Gold widerrief, war das System nur noch ein schwaches Abbild seiner früheren Stärke. In den Währungswirren der ersten Monate des Jahres 1973 brach es endgültig zusammen.