Vor knapp zwei Jahren noch galt John Connally als ein kommender Präsident der Vereinigten Staaten. Jetzt muß sich der ehemalige Gouverneur von Texas wegen Bestechung vor einem Gericht in Washington verantworten.

Das große Saubermachen nach Watergate ist noch nicht zu Ende. Beim Schlußspurt der inneramerikanischen Reinigungskampagne hat es nun einen Politiker erwischt, der viele Jahre lang in der politischen Rangliste ganz oben stand: John Connally, Mitarbeiter von drei Präsidenten, dreimal Gouverneur von Texas und vielbewunderter Millionär, ist angeklagt, für schnöden Mammon zweifelhafte Gefälligkeiten geleistet zu haben.

Es geht um ganze zehntausend Dollar. Connally soll sie 1971 von einem Molkereiverband als Vorschuß dafür erhalten haben, daß er sich bei Präsident Nixon für eine Erhöhung der Milchpreis-Subventionen einsetzte. Der Milchpreis ist damals tatsächlich und auf Connallys Rat hin erhöht worden. Doch hat sich der Texaner für seine Einflußnahme wirklich bezahlen lassen? Der Zeuge der Anklage, der das behauptet, wirkt nicht sehr überzeugend. Und die umstrittene Summe ist so klein, daß kaum zu erklären ist, wie sie den millionenschweren Rancher auf den Pfad des Unrechts gelockt haben soll.

Aber manch anderer Politiker ist schon über kleinere Geldbeträge gestolpert. Das Beispiel Spiro Agnew hat zudem erneut gezeigt, daß Amt, Würde und ein guter Ruf nicht vor Versuchung schützen. Connally wird jetzt wie viele andere vor ihm an neuen, rigoroseren Maßstäben gemessen. Der Glanz des Texashelden, der beim Attentat auf Präsident Kennedy schwer verwundet wurde, ist dabei verblaßt. Die Ausstrahlung des vorwärtsdrängenden Selfmademan wurde zum Zwielicht. Der ehemalige US-Finanzminister, der vor ein paar Jahren den Europäern die Leviten las, ist kleinlaut geworden.

Noch hat das Washingtoner Gericht nicht gesprochen. Doch nach den Erschütterungen von Watergate genügt schon ein dringender Verdacht, um politische Karrieren zu stoppen. Amerika will Saubermänner in der Politik. John Connally scheint nicht mehr dazu zu zählen. D. B.