Hervorragend

Steve Kuhn: „Trance.“ Was diesem glänzenden amerikanischen Pianisten eine Zeitlang wie ein Fehler vorgekommen war, hat ihm am Ende wohlgetan und seine musikalische Originalität gekräftigt: Er hat nämlich ein paar Jahre unbefangen in Europa gespielt, statt in New York angestrengt nach der richtigen Richtung zu suchen. Ihm (und seinen drei genau reagierenden Mitspielern an Baß, Schlagzeug, Perkussion) glückt ein packender Jazz, zu dessen Kennzeichen eine unübliche Vielfalt musikalischen Ausdrucks und eine auffallend impressionistische Klangpoesie gehören. Und nicht zuletzt: Steve Kuhn hat Witz. (ECM 1052, 22,– DM)

Hörenswert

Heidelinde Weis: „So sing ich.“ Sie singt, als spreche sie (und spiele sie) für sich selber mit ihrer verschmitzt betörenden, ironisch stöhnenden Schlafzimmerstimme. Sie singt von Franz Peter und Hans Emmerich und anderen Herren, die sie schnurrend und drohend lockt („Ich will dich, ich mag dich, ich schenk mich dir“) oder boshaft jubelnd davonjagt („Vorbei, vorbei, nimm deine Möbel und verschwinde“). Es sind lauter Lieder im Niemandsland zwischen Schlager und Chanson, die einem mit hübschen und bemerkenswert vielfältig arrangierten Melodien ins Gemüt geschaukelt werden: gute Unterhaltung. (Intercord 26 486-1 U, 22,– DM)

Mittelmäßig

„The Baroque Beatles Book“. Natürlich ist das ein lustiger Einfall: Songs der Beatles ins Plusquamperfekt zu stecken und eine barocke Kostümschau zu arrangieren. Manchmal werden die parodierten Melodien so tief in die Bach- oder Telemann-Verkleidung gesteckt, daß vom Original nicht viel bleibt. Statt dessen triumphiert eine blutlose Musik „im Barockstil“. Was noch ärger ist: Diese „Kammermusikgesellschaft“ geigt, trompetet und flötet angestrengt wie ein Schulorchester, das man – glanzlos – in der Hausmeisterstube aufgenommen hat. (Baroque Ensemble of the Merseyside Kammermusikgesellschaft, Leitung: Joshua Rifkin; Elektra ELK 42 164, 22,– DM) Manfred Sack

Ärgerlich