Von Gunhild Freese

Sie werben für "Sunja. Das große Bad zum kleinen Preis", preisen den Cognac Courvoisier als "weich und reich und ausgereift" und empfehlen: "Schatzsparen mit Bundesschatzbriefen bringt Ihnen 9,21 Prozent." Die Frankfurter Werbeagentur Foote, Cone & Beiding (FCB) zählt in der Bundesrepublik so renommierte Markenartikelunternehmen wie Allibert, Chocolat Tobler, Elida-Gibbs, die Hannen-Brauerei, Lever Sunlicht und Suchard zu ihren Kunden.

Die Agentur, deren Muttergesellschaft FCB International im weltweiten Werbegeschäft den Platz 10 einnimmt, machte letztes Jahr in Deutschland einen Umsatz von 65,2 Millionen Mark und rückte damit von Platz 21 auf den 19. Rang der größten deutschen Werbeagenturen vor. Von den 23 Kunden, die die Frankfurter Werber derzeit bedienen, "sind zwölf Markenführer in ihrem Bereich", freut sich Geschäftsführer Norbert Borsch.

Der vierundzwanzigste Kunde bringt der dynamischen Agentur, die seit der Gründung in Deutschland 1964 ihren Umsatz verdreifachte, indes keinen neuen Umsatzzuwachs – geschweige denn irgendwelche Erträge. Die jüngste von FCB in Frankfurt gestaltete Kampagne schlägt statt desesen mit "rund 9000 bis 12 000 Mark Entwicklungskosten" (Norbert Borsch) zu Buche. Der Anlaß der kostenbringenden Aktion: das vom Europarat proklamierte "Europäische Denkmalschutzjahr 1975". Auftraggeber für die deutsche Kampagne ist die "Aktion Gemeinsinn". Werbeslogan: "Haus für Haus stirbt dein Zuhause. Unser Lebensraum braucht Schutz. Denkmalschutz."

FCB ist bereits der neunte Partner für die Aktion Gemeinsinn ("ein Unternehmen ohne Kapital" – so der Rechenschaftsbericht 1973 des "eingetragenen Vereins"). Elf Werbekampagnen wurden bislang für die Aktion Gemeinsinn konzipiert.

Die Idee für die Aktion Gemeinsinn und deren Arbeit, erläutert Elisabeth Strauss, Geschäftsführerin der "Vereinigung unabhängiger Bürger" in Bonn, wurde in den Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Die Werbewirtschaft begann dort, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren und für aktuelle Probleme Aufklärungskampagnen zu entwickeln – kostenlos.

In Amerika informierten sich denn auch die Gründungsmitglieder der deutschen Aktion Gemeinsinn, die 1959 aus der Taufe gehoben wurde. "Der Wille", so erläutert die Aktion Gemeinsinn, "im Sinne des Gemeinwohls zu wirken, hat die Mitglieder zusammengeführt." Ziel ihrer Tätigkeit ist, "die Initiative des einzelnen und sein Verantwortungsbewußtsein als Mitbürger" zu aktivieren. Dabei wird der Verein von Werbeagenturen, Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, Funk und Fernsehen unterstützt. Mit deren Hilfe will die Aktion "dem einzelnen wie der Öffentlichkeit die Aufgaben zeigen, die der Staat allein nicht lösen kann" – mit den "modernen Methoden der Werbung und Publizistik".