Von Lorenz Walg

Dr. Lorenz Walg ist Leiter des „Büros Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO)“ der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt am Main.

Beamte werden kaum mit Abenteurern gleichgesetzt und Bankbeamte kaum mit Entwicklungshelfern. Dennoch: Es gibt einen Arbeitgeber, bei dem diese Eigenschaften keine unversöhnlichen Gegensätze sein müssen. Die Adresse ist vornehm: Washington D.C., die Zahl der Privilegien groß und, was noch schöner angesichts der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage ist: Es gibt noch freie Stellen.

Seit 1952 gehört die Bundesrepublik Deutschland der Weltbank an. Und seitdem sind auch Deutsche bei ihrer Washingtoner Zentrale beschäftigt. Die 124 Staaten umfassende Einrichtung mit einem Kapital von rund 30 Milliarden US-Dollar und Sitz in der amerikanischen Hauptstadt finanzierte nach ihrer Gründung im Jahre 1946 zunächst den Aufbau kriegszerstörter Gebiete; später verlegte sich die Weltbank mehr und mehr auf die Finanzierung von Investitionen in Entwicklungsländern. Daneben gewährt sie auch technische Entwicklungshilfe, angefangen von der Bearbeitung einzelner Projekte bis hin zu Studien über die Gesamtentwicklung einer Volkswirtschaft. Außenstellen der Weltbank, die heute von dem früheren US-Verteidigungsminister Robert McNamara geleitet wird, befinden sich in vielen Ländern und Regionen.

Projekte, die die Bank unterstützt, müssen technisch durchführbar, wirtschaftlich gerechtfertigt und langfristig zumindest kostensparend sein. Sie betreffen vor allem die Landwirtschaft, das Transport- und Nachrichtenwesen, die Energieversorgung, den Tourismus, das Erziehungswesen und die Wasserversorgung. Ebenso vielfältig wie die Weltbankprojekte ist der Mitarbeiterstab. Und weil die Zahl und Komplexität der Vorhaben weiterhin zunimmt, besteht auch Bedarf an neuen Mitarbeitern:

  • Volkswirte mit speziellen Kenntnissen in Wirtschaftsanalyse;
  • Volkswirte mit Erfahrungen in besonderen Wirtschaftssektoren;
  • Finanzanalytiker zur Finanz- und Rentabilitätsprüfung von Projekten mit speziellen Erfahrungen in einem dieser Wirtschaftssektoren;
  • Diplom-Ingenieure mit langjähriger Berufserfahrung in Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung;
  • Fachleute auf dem Gebiet des Erziehungswesens mit Erfahrungen auf den Sektoren allgemeinbildendes Schulwesen, technische Berufs- und Fachschulen, landwirtschaftliche Berufs- und Fachschulen und außerschulische Jugendbildung;
  • Diplom-Land- beziehungsweise Forstwirte, die sich spezialisiert haben auf landwirtschaftliche Betriebswirtschaft, Bewässerungs- und Dränagesysteme, Viehzucht, Forstwirtschaft und landwirtschaftliche Kreditbanken.

Nicht ohne Grund überlegt sich manch ein an Auslandstätigkeit Interessierter, welche Risiken und Nachteile damit verbunden sein könnten. Für die 105 Deutschen, die gegenwärtig in den Diensten der Weltbank stehen, mögen eher die damit verbundenen Privilegien ausschlaggebend gewesen sein: Volle Steuerfreiheit, für deutsche Maßstäbe überdurchschnittliche Gehälter (Anfangsgehalt pro Jahr: zwischen 20 000 und 30 000 Dollar netto, je nach Qualifikation und Berufserfahrung), kostenlose Fahrten nach Deutschland alle zwei Jahre, Dienstreisen rund um die Erde und eine Freifahrt für die Ehefrau, sofern die Zahl der Dienstreisetage jährlich merklich über 90 Tagen liegt. Bedenken, was den Schulbesuch der eigenen Kinder angeht, kann die 2000köpfige Weltbank-Administration leicht zerstreuen: Es gibt an ihrem Sitz auch eine deutsche Schule.