Sehenswert

„Hof“ von Claude Faraldo. Die Revolution kommt auf leisen Sohlen. Anders als in „Themroc“ mit seiner destruktiven Wut, seinen grellen Exaltationen entwirft Faraldo in seinem 1971 gedrehten Debütfiln eine sanfte Utopie. Die Figuren braten hier keine Polizisten am Spieß, sondern entfernen sich ebenso selbstverständlich wie endgültig von den Normen und Zwängen der bürgerlichen Existenz. Fünf Menschen leben in fröhlicher Polygamie, ohne Eifersucht und Besitzansprüche. Der Vater, der nach 25 Jahren einfach aufhört zu arbeiten, weil er die Stechuhr nicht mehr ertragen kann, gibt die Parole aus: „Wir werden uns gut amüsieren, meine Lieben.“ In Faraldos anarchistischem Märchen tut jeder, was er will, verwirklicht ohne Scham und Schuld seine Bedürfnisse. Der Vater schläft mit seiner Schwiegertochter, der Sohn fährt seinen Lastwagen in den Graben, der schwarze Straßenkehrer legt sich friedlich in die Sonne. Ganz ernsthaft und penibel schildert Faraldo ein bedächtiges proletarisches Idyll, fern von revolutionären Phrasen, aber gerade in seiner heiteren Unschuld ungemein brisant. Die allmähliche Entwicklung zur großen Verweigerung erscheint als ein völlig natürlicher, fast schon zwangsläufiger Prozeß: „Bof“ fordert auf zur Entfernung von der Truppe

Beachtlich

„Die Kampfmaschine“ von Robert Aldrich, dessen Filme immer mehr brillanten Sado-Comics gleichen, ebenso rasant wie oberflächlich, ebenso attraktiv wie leer. Die brutalen Typen, die hier in einem amerikanischen Zuchthaus zu einer Football-Schlacht auf Leben und Tod antreten, sind allesamt Bilderbuch-Monster: geil, verkommen, sadistisch, primitiv. Dazwischen tummelt sich Burt Reynolds, ein konsequent synthetischer Kino-Held mit rüdem Sex-Appeal. Wie schon in „Ein Zug für zwei Halunken“ zeigt sich Aldrich distanzlos fasziniert von den Riten und Regeln einer hermetisch abgeschlossenen Männergesellschaft. Differenzierungen und kritische Nuancen wie noch in „Das dreckige Dutzend“, dem der neue Film in seiner Erzählstruktur fast wie ein Remake gleicht, finden kaum mehr statt. Der Originaltitel heißt treffend „The Mean Machine“: bösartig und mit unpersönlich maschineller Perfektion veranstaltet Aldrich einen wuchtigen Action-Zirkus, ein ebenso grandioses wie gefährliches Endspiel der totalen Gewalt.

Mittelmäßig

„Chrystal Voyager“ von George Greenough ist der Film eines Wellenreiters über Wellenreiten für Wellenreiter. Wer nicht selbst hoffnungslos der Faszination des Surfing verfallen ist, dürfte die sich in den letzten zwanzig Minuten zu „Echos“ von Pink Floyd rauschhaft steigernden Wasserspiele keineswegs sonderlich aufregend finden. Greenough, ein kalifornischer Champion seiner eleganten Kunst, stilisiert das Wellenreiten mit Trick-Optiken, Zeitlupe und geschmäcklerischen Gegenlicht-Aufnahmen zu einer elementaren Begegnung mit der Natur. Dazu wird eine Reformhaus-Ideologie geliefert.

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