Seit Anfang Oktober 1974 sind die deutschen Aktienkurse um rund 35 Prozent gestiegen. Immer mehr spricht sich herum, daß an der Börse wieder etwas zu verdienen ist. Nun drängt sich auch das Publikum an den Bankschaltern, um Anlageratschläge zu erhalten. Sein Geld schafft der Aktien-Hausse eine breitere Basis. Zu den bevorzugten Papieren zählten in den letzten Tagen die Bank-Aktien, eine Reaktion auf die günstigen Abschlüsse für 1974. Gesucht waren auch Aktien der Großchemie, die trotz rückläufiger Gewinne in diesem Jahr immer noch als zurückgeblieben gelten. Von den Autowerken wurden vornehmlich BMW- und Daimler-Aktien gekauft. Daimler hat jetzt die 300-Mark-Grenze überschritten. Damit darf die Deutsche Bank aufatmen, denn auf dieser Basis kann sie ihre von Flick übernommenen Aktien auch noch mit „Rabatt“ plazieren.

Kapitalerhöhungen drücken die Tendenz bislang nicht, obwohl der April in dieser Beziehung lang Belastungsprobe darstellt. Immerhin geben in diesem Monat so bedeutende Unternehmen wie Mannesmann, Siemens, GHH und MAN junge Aktien aus. Vernachlässigt bleiben dagegen die Versorgungsaktien. Der jetzt veröffentlichte Abschluß der zum Veba-Bereich gehörenden Nordwestdeutschen Kraftwerke zeigt deutlich, mit welchen Belastungen diese Unternehmen in den nächsten Jahren zu rechnen haben. Sie lassen kaum Hoffnung für eine Dividendenerhöhung. K. W.