Mit ganz neuer Eile und Ausführlichkeit hat die sowjetische Nachrichtenagentur TASS in der vorigen Woche über den mißlungenen Versuch berichtet, ein Raumschiff der Saljut-Serie in eine Erdumlaufbahn zu schicken. Als die dritte Raketenstufe dem bemannten Kunstmond einen Schub in die falsche Richtung erteilte, ordnete das Raumfahrtzentrum in Baikonur die Notlandung an, die offenbar gut gelang.

Die Offenheit und Schnelligkeit Moskaus hat ihren guten Grund. Seitdem Amerikaner und Sowjets ein gemeinsames Raumflugprojekt beschlossen haben, sind beide Partner verpflichtet, einander alle bemannten Satellitenflüge im voraus zu melden. Das Mißgeschick wäre deshalb in kurzer Zeit aus amerikanischen Quellen bekanntgeworden.

Der Fehlstart der Russen könnte die für Juli geplante gemeinschaftliche Erdumkreisung mit einer ost-westlichen Raumschiff-Verkoppelung hinausschieben. Die NASA wäre nicht unglücklich darüber. Denn in der gegenwärtigen innenpolitischen und außenpolitischen Lage muß den Amerikanern ein teures technisches Experiment ziemlich absurd erscheinen, dessen einziger Sinn allenfalls eine Entspannungsgeste von zweifelhafter Wirkung wäre.

Vielleicht fällt den Amerikanern wie den Russen mit dem Unglück in Westsibirien das Glück in den Schoß, ein wissenschaftlich nutzloses Gemeinschaftsprojekt guten Gewissens abblasen zu können. ow