DIE ZEIT

Sorge um Solidarität

Die Bereitschaft des amerikanischen Präsidenten, auf europäische Anregung im Mai in Brüssel an einem Nato-Gipfeltreffen teilzunehmen, ist das erste Anzeichen dafür, daß Amerikas Außenpolitik aus der Lähmung der letzten Wochen herauszukommen scheint.

Glück im Unglück

Mit ganz neuer Eile und Ausführlichkeit hat die sowjetische Nachrichtenagentur TASS in der vorigen Woche über den mißlungenen Versuch berichtet, ein Raumschiff der Saljut-Serie in eine Erdumlaufbahn zu schicken.

Kleine Hoffnung

Neun Monate lang schien in Portugal das Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden. Das Militär stürzte die älteste Diktatur Europas, gewährte demokratische Freiheiten und versprach, die Macht an ein frei gewähltes Parlament zu übergeben.

Meilenstein oder Mühlstein?

Bei uns und den anderen westlichen Ländern breitet sich das Gefühl aus, daß es eine wirklich ernste Energiekrise gar nicht mehr gibt.

Künstliche Hysterie

Was geht in der Union vor? Warum hüllt sie sich, noch immer auf der Straße des Erfolges, mit einemmal in das Gewand des Dulders, zeigt sie das Gesicht des schuldlos Leidenden? Nach einer ganzen Serie von Landtags-Wahlkämpfen, die sie mit Siegeszuversicht bestritten hat und aus denen sie überwiegend auch mit spektakulärem Zugewinn hervorgegangen ist, nach den Wahlfesten von Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Berlin, begibt sich die CDU/CSU plötzlich in die Defensive.

Zeitspiegel

Die Londoner Times feierte versteckt ein kleines Jubiläum: Vor einhundert Jahren veröffentlichte sie als erste Zeitung eine Wetterkarte.

Ein Lenin für Lissabon?

Vor zwei Monaten veröffentlichte ein portugiesischer Verlag das Programm der "Bewegung der Streitkräfte" (MFA) und der größeren Parteien samt Bild und ausführlichem Lebenslauf der Parteivorsitzenden.

Worte der Woche

„Hinter manchen Wohnungstüren, hinter denen sehr differenziert urteilende Zeitgenossen leben, war man eine Zeitlang keineswegs hellsichtig gegenüber den Verheerungsmöglichkeiten des politischen Extremismus.

Abschied mit einer Geste

Für die meisten Amerikaner ist Indochina ein abgeschlossenes Kapitel, auch wenn in Vietnam und Kambodscha noch gekämpft wird.

Die Stadt ist jetzt sturmreif

Jeder Krieg hat seine Logik, in der sich die bessere Strategie verwirklicht, sobald sie über die Mittel gebietet, um ihre Ziele zu erreichen.

Hektischer Tanz auf dem Vulkan

Das Leben in Saigon spielt sich unter einer zerbrechlichen Glocke der Normalität ab; fast könnte sie die surrealistische Existenz der Stadt vergessen machen.

Maulkörbe für die Minister

Das große Hindernisrennen der Labourregierung hat begonnen. Bis zu jenem noch ungewissen Tag im Juni, an dem die britische Bevölkerung entscheiden soll, was die Labourpolitiker nicht zu entscheiden wagen – ob das Land in der Europäischen Gemeinschaft mehr prosperiert als außerhalb –, gibt es noch viele Hürden.

Chinas Napoleon starb im Exil

Die Welt hatte sich längst angewöhnt, den alten Mann mitleidig zu belächeln, der seit einem Vierteljahrhundert unentwegt verkündete, er werde von der Insel Taiwan aus das chinesische Riesenreich zurückerobern: Tschiang Kai-schek, ein Napoleon, der nie den Sprung von Elba geschafft hat.

Wolf gang Ebert: Die Lust am Untergang

Zu einer der zukunftsträchtigsten Industrien mit großen Wachstumschancen hat sich die Apokalypsen-Prophezeiung entwickelt. Am Rande einer Jahrestagung der APOKA, dem Welt-Dachverband aller Untergangsvisionäre, die in Horrorville, Conn.

Schwieriger Dialog

Es war ein Marxist zu ehren, dessen unorthodoxe Qualität vielleicht am besten durch einen Spitznamen, den ihm Dominikanerpatres gaben, dokumentiert wird: „Atheistisches Lamm Gottes“.

Nur für Eingeweihte

Erst auf den letzten vier Druckseiten wird dem, der sich für theologische Fragen wohl interessiert, in ihnen indes nicht wissenschaftlich-forschend beheimatet ist, endlich klar, um was es auf den rund 85 Seiten davor so ausführlich, doch unverständlich, gegangen ist: um es "durchaus mit einem Schuß Banalität" zu sagen (so der Autor selber voller unerwarteter Einsicht) – die Krise der Religion könne es nur dort geben, wo Religion lebendig sei.

Mißtrauens-Mäuslein

Noch am Montagmorgen galt als ausgemacht, daß die CDU/CSU-Fraktion am Dienstag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses beschließen werde, um die angebliche Bestechungsaffäre um das konstruktive Mißtrauensvotum neu zu belichten.

Connally unter Anklage

Vor knapp zwei Jahren noch galt John Connally als ein kommender Präsident der Vereinigten Staaten. Jetzt muß sich der ehemalige Gouverneur von Texas wegen Bestechung vor einem Gericht in Washington verantworten.

Erfahrung ist Trumpf

Beamte werden kaum mit Abenteurern gleichgesetzt und Bankbeamte kaum mit Entwicklungshelfern. Dennoch: Es gibt einen Arbeitgeber, bei dem diese Eigenschaften keine unversöhnlichen Gegensätze sein müssen.

Dem Neuen eine Chance

In der Forschung ist langer Atem nötig – denn greifbare Erfolge lassen auf sich warten

Literaten mit und ohne Glanz

Die erste Debatte war der Öffentlichkeit gewidmet. Ergebnis: man schloß sie aus. Das war schlecht: Denn so provoziert man den Vorwurf, man habe Peinliches zu verbergen vor den Kollegen der mitschreibenden und mitfilmenden Medien.

Was läse Biedenkopf am liebsten?

Das Ende des deutschen Lese-Zeitalters ist da. Denn wie man die geist-, phantasie- und lustvolle Anstrengung des Lesens vor dem Verschwinden retten könne, vor dem Untergang im Analphabetenmoloch der optisch-akustischen Massenmedien, dazu fiel deutschen Politikern nichts ein, darüber hatten sie sich noch nie Gedanken gemacht: Alle vier, Hans Maier, Kurt Biedenkopf, Hans Jochen Vogel und Hildegard Hamm-Brücher erklärten unumwunden, in den Programmen ihrer vier Parteien sei für diesen Fall kein Punkt vorgesehen.

Zeitmosaik

Es ist ja gerade ein starkes Moment des herrschenden Pessimismus, oder auch Nihilismus, daß wir nichts wissen, was wir an die Stelle des sozialistischen Hoffnungssymbols setzen sollen.

Zadek widerspricht Ibsen

Peter Zadek, Intendant in Bochum, hat für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg Ibsen inszeniert: "Die Wildente" wurde zu einem Höhepunkt der Theaterspielzeit.

Das Meretlein und die Forellen

Meret Oppenheim – ein Irrlicht, das durch die neuere Kunstgeschichte geistert, das in den reichlich ungesicherten Annalen des Surrealismus auftaucht, ein Name, der sich mit gewissen phantastischen Objekten verbindet, mit der Pelztasse, die in New York im „Museum of Modern Art“ zu besichtigen ist.

David und Goliath

Lauter neue Kinos in den Großstädten, höhere Umsätze der Filmindustrie, respektable deutsche Filmerfolge im Ausland, zwei geplante große Filmzeitschriften in Hamburg und Berlin, Gerüchte, daß man wieder ins Kino geht, wieder über Filme spricht: die Branche verkündet den neuen Optimismus.

Kunstkalender

Daß seine „Generale“ von fern an Dubuffet erinnern, ist noch das Beste, was man ihnen nachsagen kann. Wenn man sie aus der Nähe betrachtet, packt einen das Grausen, nicht vor den militanten Monstren, sondern vor so viel Infantilismus.

Kritik in Kürze

„Das Ende der bürgerlichen Vernunft“, von Jost Herbig. Der kecke Titel verspricht ein linkes Buch und läßt gleichzeitig die Verkündung einer neuen Epoche erwarten: den Anfang der proletarischen Vernunft.

Der blinde Orion

Mit Namen und Werk das einundsechzigjährigen Claude Simon verbindet sich noch immer der Begriff des "nouveau roman". Und obwohl diese Erneuerung der französischen Literaturprosa inzwischen fast schon historisch ist – die ersten programmatischen Aufsätze Alain Robbe-Grillets liegen knapp zwei Jahrzehnte zurück –, obwohl die Autoren, die praktisch zu ihr beigetragen haben, seitdem sehr verschiedene Wege gegangen sind, bleibt die Zuordnung teilweise berechtigt.

Schweigsame Bilder

Werner Schmalenbach macht durchaus und mit großer Verve ernst damit. Dies eine Blatt ist ein Teil des großen Komplexes, das der Interpret ein andermal schlicht „Zeichnungen“ nennt und das er deutet vor dem allgemeinen Hintergrund, den man Zeitgeist nennen könnte oder besser Zeit-Ungeist.

War alles umsonst?

Hubert Raupach/Bruno W. Reimann: „Hochschulreform durch Neugründungen?“ – Struktur und Wandel der Universitäten Bochum, Regensburg, Bielefeld; Schriftenreihe des Forschungsinstituts der Friedrich-Ebert-Stiftung, Verlag Neue Gesellschaft, Bonn, 1974; 504 S.

Die neue Schallplatte

Steve Kuhn: „Trance.“ Was diesem glänzenden amerikanischen Pianisten eine Zeitlang wie ein Fehler vorgekommen war, hat ihm am Ende wohlgetan und seine musikalische Originalität gekräftigt: Er hat nämlich ein paar Jahre unbefangen in Europa gespielt, statt in New York angestrengt nach der richtigen Richtung zu suchen.

Hoch droben – tief drunten

Das Magazin „Glashaus“, das, gegen wachsende Schwierigkeiten, im Fernsehen Fernsehkritik zu betreiben versucht, wollte einen Report über die Lage der freien Mitarbeiter machen.

Sonne für die Knechte

Zwei Wochen vor der Premiere begann die Fraktion der Democrazia Cristiana im Stadtrat die akute Phase ihrer monatelangen Kampagne gegen das Stück und ließ ihre Polemik in dem Antrag kulminieren, die Subventionen für das auftraggebende und ausführende Theater zu sperren.

Filmtips

„Hof“ von Claude Faraldo. Die Revolution kommt auf leisen Sohlen. Anders als in „Themroc“ mit seiner destruktiven Wut, seinen grellen Exaltationen entwirft Faraldo in seinem 1971 gedrehten Debütfiln eine sanfte Utopie.

Goldwaschen und Alligatorschießen nicht im Pauschalangebot

Aber Bolivien liegt im Hungergürtel der Welt. Die Früchte verfaulen in den Tropentälern, weil Verkehrsmittel fehlen; im Hochaltiplano leben die Indios bei zehn Grad unter Null von nichts als Kartoffeln; Felder verwaisen, weil der campesino als Straßenhändler in der Stadt mit geschmuggelten Shampookissen einen leichteren Peso zu machen glaubt; in der Regenzeit stehen Gebiete so groß wie Bayern unter Wasser; auf den Indiofriedhöfen über La Paz sind 80 Prozent Kindergräber.

Kurzreisen zu Fernzielen

Alles, was wir anbieten, wird gebucht...“ Wenn der Geschäftsführer und Firmenmitinhaber Dr. Horst Kitzki von Ikarus Tours die Erfolgskurve seines Hauses in den letzten Jahren an die Wand schriebe, müßte er fast wie der antike Namenspatron fürchten, der Sonne zu nahe zu kommen.

Arriba Freiflipper!

Buenos dias, verehrter Leser. Um den versprochenen Welt-Rundflip habe ich Sie betrogen, tut mir leid........................

Gut Rad ist billig

Deutsche Autofahrer, die sich nach Holland oder Dänemark wagen, haben vor allem einen Horror: die Radfahrer. Neuerdings wird man aber auch bei uns wieder häufiger auf diese schon fast ausgestorbene Spezies treffen, vorwiegend in den Sommermonaten.

Sommerfrische nach alter Art

Es muß ein harter Job sein, Schleswig-Holstein als Urlaubsland an den Mann zu bringen, zumal wenn man die Küsten beiseite läßt.

Reisenachrichten

Ein Sonderprogramm für Studien- und Begegnungsfahrten hat jetzt der CVJM Hamburg vorgelegt. Er lädt „junge Erwachsene“ von 18 bis 35 Jahren (auch Nichtmitglieder) ein, die nicht nur Städte und Denkmäler kennenlernen wollen, sondern auch an Kontakten mit den Bewohnern des Landes interessiert sind.

Nulltarif für Alkoholfahrer?

Die Wolfsburger Testserie beweist, daß Ausfallerscheinungen bei alkoholisierten Kraftfahrern selbst unter 0,8 Promille nicht Ausnahme, sondern Regel sind.

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