Dona eis pacem... So haben sie vor vielen hundert Jahren im Bremer Dom gebetet, als sie die Bischöfe zur ewigen Ruhe betteten. „Gib ihnen den Frieden.“ Aber die moderne Fortsetzung dieses Gebetes hat sich dann so abgespielt, wie es Ende März im ZEITmagazin beschrieben wurde: „Der bullige Staubsauger dröhnte durchs staubige Mittelschiff... Er saugt zuerst in der äußersten Westseite des Sarges. Blaßgelb schimmert die Schädeldecke ... Dann legt der Staubsauger die Oberränder der Augenhöhle und den Jochbogen frei.“

Mit dem ewigen Frieden ist es also nichts gewesen. Er hat im besten Falle gerade tausend Jahre gewährt. Dann hat’s geknallt. Auf diesen Knall kommen wir noch zurück.

Wer hat den Bericht nicht aufmerksam gelesen? Er war hochinteressant, handelte von allerlei pfiffigen Methoden, wie Skelette freizulegen, kostbare Ringe und Edelsteine zu entdecken, sakrale Gewänder zu restaurieren seien. Aber an den ewigen Frieden wurde kein einziges Wort verschwendet. Diese Zeiten sind vorbei.

Es ist die Wissenschaft, die unsere Epoche beherrscht. Wir wollen wissen, was ist, was war und warum, und wenn Kostbarkeiten auftauchen, Sachen von hohem materiellem Wert, um so besser! Da kann auf das einzelne Skelett keine Rücksicht genommen werden. Und auf den ewigen Frieden schon gar nicht. Das hätte sich der Bischof eben rechtzeitig überlegen sollen, ehe er sich unterm Bremer Dom zu Grabe tragen ließ. Er hätte die Feuerbestattung vorausdenken müssen, die es freilich damals noch nicht gab. Jetzt hat er den Schaden. Und da sind wir auch bei der Schilderung vom Knall.

Der Bericht sagt: „Noch ehe Seidler (das ist der „Grabungsmeister“, Bernd mit Vornamen, 35) den Sand vom Unterkiefer weggepustet hat, knallt es, ein Staubpilz schießt aus dem Großraumreiniger. Das Gerät hat einen losen Backenzahn verschluckt, und der hat den Papiersack im Staubsauger zerfetzt.“

Da sieht man, was so ein Bischofszahn noch nach Jahrhunderten leistet. Übrigens hat der Landesarchäologe Brandt der Besitzer des losen Zahns auf ein Alter von tausend Jahren geschätzt. Er sagte: „Sollte der Kerl etwa Erzbischof Adalbert sein?“

Wenn so schon mit einem Erzbischof umgegangen wird, wenn also die Menschen noch nach tausend Jahren mit Spaten und Großraumstaubsauger dem Kerl zu Leibe rücken, ihm die Kleider ausziehen und die Sachen abnehmen, wie soll erst unsereiner den versprochenen ewigen Frieden verteidigen können?