Aber in Israel kam es zum Streit unter den Freiwilligen

Von Dietrich Strothmann

Die Meldung war nicht eine von vielen, keine übliche. Und doch erschien sie unter "ferner liefen". Sie lautete ungefähr so: Aus Protest wegen interner Differenzen haben sechs Mitglieder der "Aktion Sühnezeichen" Israel den Rücken gekehrt und sind in die Bundesrepublik zurückgefahren. Zehn Freiwillige schlossen sich dem demonstrativen Auszug nicht an.

Das war für die Leitung der seit 1958 bestehenden christlichen Hilfsorganisation ein unerhörter, einmaliger Vorgang, fast schon ein Eklat. Was war geschehen?

Einer der Angehörigen der Aktion, die sich, zumeist als Ersatzdienstleistende, für achtzehn Monate zur Sühnezeichenarbeit verpflichten, war in Schwierigkeiten geraten: Im christlicharabischen Studentenheim in der Jerusalemer Neustadt, wo er beschäftigt war, soll er während einer Diskussion antiisraelischen Ansichten arabischer Kommilitonen nicht widersprochen haben. Die Heimleiterin, mit der Arbeit des Freiwilligen bis dahin zufrieden, soll der Landesleitung der Aktion geraten haben, ihn abzuschieben, angeblich wegen Sprachschwierigkeiten. Was dann auch geschah.

Die Art nun, wie dieser Fall behandelt wurde, und Mißstände, die anschließend in heftigen Diskussionen zwischen den Freiwilligen und ihren Vorgesetzten, auch in einer Pressekonferenz, zur Sprache kamen, führten zu der Spaltung der Israelgruppe: Zehn blieben, sechs packten ihre Sachen. Inzwischen war auch bekanntgeworden, daß sich einige der Mitarbeiter über das Verhältnis der Israelis den Arabern gegenüber kritisch, angeblich sogar im antiisraelischen Sinne, geäußert haben sollen. Das Ansehen der "Aktion Sühnezeichen gerade in jenem Land, für das sie vor allem gegründet worden war, schien ernsthaft gefährdet.

"Brücken über Blut und Asche"