Düsseldorf: „Enrico Baj“

Daß seine „Generale“ von fern an Dubuffet erinnern, ist noch das Beste, was man ihnen nachsagen kann. Wenn man sie aus der Nähe betrachtet, packt einen das Grausen, nicht vor den militanten Monstren, sondern vor so viel Infantilismus. Enrico Baj möchte sich die Brutalität des Art brut zueigen machen, indem er diese Brutalität kunstgewerblich garniert und die schludrig gemalten Generalitäten mit realen Orden und Ehrenzeichen behängt. Was dabei herauskommt, ist nicht der beabsichtigte Protest gegen den Militarismus, sondern eine unfreiwillige Parodie. Baj gehört zu den forsch Engagierten: Blindwütig und hemmungslos schießt er in der Gegend herum, auf Politiker oder auf die etablierte Kunst. Nixon und Kissinger werden aufs Korn genommen in seinem neusten und größten Opus. Das Gemälde „Nixon und Kissinger führen die Columbus-Day-Parade an“ hat das stattliche Format von zwei mal neun Metern und dabei ungefähr die gleiche politische Brisanz und das künstlerische Niveau wie Heinzelmännchens Wachtparade. Dieser von Baj kreierte Heinzelmann, ein uniformierter Kopffüßler, ist Instrument und Geheimwaffe für das, was Jürgen Harten als „kulturelle Demontage“ apostrophiert, eine höfliche Umschreibung für das grenzenlos alberne Spiel, das der italienische Maler mit Seurat und Pi-Spiel, mit „La Grande Jatte“ und „Guernica“ betreibt. (Städtische Kunsthalle bis zum 27. April, Katalog 10 Mark)

München: „Auktion Neumeister KG vorm. Weinmüller“

Unabhängig von Mode und Konjunktur hat man sich im Hause Weinmüller kontinuierlich für die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts eingesetzt, in allen ihren lokalen und stilistischen Spielarten. Die Frühjahrsauktion bietet ein weites Panorama zwischen Romantik und Realismus, zwischen Blechen und dem frühen Liebermann. Von Blechen gibt es einige bedeutende Landschaftszeichnungen und ein Gemälde von 1834, eine römische Straßenszene „Pifferaro und zwei sitzende Mädchen“ (aus der Sammlung Freund, abgebildet bei Rave und Kern). Einige prominente Künstler wie Spitzweg, Waldmüller, Knaus sind wenigstens mit Kleinstformaten vertreten, die ungewöhnlich niedrig angesetzt sind: Waldmüllers „Bergbauernhof“ von 1831 mit 2000 Mark, die „Tiroler Freiheitskämpfer“ von Knaus mit 1600 Mark. Dagegen soll das große Defregger-Gemälde „Auf der Alm“, eines seiner beliebten Genre-Bilder mit Senn und Sennerin und zwei jungen Malern (vermutlich Defregger und Lenbach), nicht weniger als 50 000 Mark bringen. Die beiden Dorfidyllen von Heinrich Bürkel sind auf je 30 000 Mark geschätzt. Ein verhältnismäßig unbekannter, aber entschieden bemerkenswerter Maler, Johann Georg Meyer aus Bremen, ist mit einer umfangreichen Kollektion von Zeichnungen und Gemälden aus dem Nachlaß vertreten, Spitzenwerk dieser naiv gefühlvollen Biedermeiermalerei ist „Das Gebet der Witwe“ (für 30 000 Mark). Weitere Schwerpunkte der Auktion: Altdeutsche Plastik und Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. (Versteigerung am 23. und 24. April, Katalog 15 Mark)

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Bielefeld: „J. C. Schlaun – Baukunst des Barock“ (Kunsthalle bis zum 11. Mai, Katalog 12 Mark)