Alles, was wir anbieten, wird gebucht...“ Wenn der Geschäftsführer und Firmenmitinhaber Dr. Horst Kitzki von Ikarus Tours die Erfolgskurve seines Hauses in den letzten Jahren an die Wand schriebe, müßte er fast wie der antike Namenspatron fürchten, der Sonne zu nahe zu kommen. Das erweiterte Programm von 1974 bewirkte eine Umsatzsteigerung von 85 Prozent, und für dieses Jahr zeichnet sich eine neuerliche Zuwachsrate von wenigstens 50 Prozent ab. Kitzki: „Wir haben im Anfang Glück gehabt und das Vertrauen einer anspruchsvollen Klientel gewonnen.“ Und nun mehren sich im Königsteiner Etagenbüro die Posteingänge, Telephon und Fernschreiber kommen nicht zur Ruhe. Reisen von Ikarus Tours werden zu 97 Prozent direkt gebucht.

Die offensichtlichen Preisvorteile haben den Erfolg mit Sicherheit beflügelt, aber nicht aus dem Boden gestampft. Der Stab des Unternehmens besteht aus dem Ehepaar Kitzki und drei Mitarbeitern. Reisebüroprovisionen entfallen. Die Prospekte (Auflage 30 000) werden gezielt verschickt – sonst kein Werbeaufwand. Das heißt: Der Apparat belastet die Reisekosten geringfügig, die Preise konnten von Anfang an äußerst knapp und nahezu konkurrenzlos günstig kalkuliert werden. Das Geheimnis des Erfolgs aber war die Differenziertheit des Angebots. Der Marketing-Experte Kitzki hatte zur rechten Zeit eine vertrauenerweckende Marktlücke erspäht. Die Formel lautete: kurze Reisen auf langen Strecken oder luxuriöse Kurzreisen zu fernen Zielen, etwa neun Tage nach New York, zehn Tage nach Thailand, acht Tage nach Persien, neun Tage auf die Bahamas.

Der Einfall war überzeugend. Bisher gab es nur die billigen Charterangebote der Großveranstalter. Kitzki: „Wenn bei einer solchen Reise der Flugpreis den Löwenanteil der Kosten beansprucht, kann man für zwei oder drei Hundertmarkscheine mehr auch ein Luxushotel bieten, erlesene Küche und einen erstklassigen Reisebegleiter.“

Ikarus reist mit Linienflugzeugen, läßt seinen Gästen in New York beispielsweise die Wahl zwischen dem Hotel Abbey Victoria (1295 Mark) und dem berühmten Waldorf Astoria (1495 Mark), bietet, kurz gesagt, die bestmöglichen Flugverbindungen und am Ort die jeweils bestmögliche Hotelunterkunft an. Ikarus behauptet sich im Kreis der Reiseveranstalter seit fünf Jahren als Spezialist für luxuriöse Langstreckenreisen.

Inzwischen wurde das Programm umsatzsteigernd auf Indonesien und Japan ausgeweitet, auf Südamerika, Mexiko, Ost- und Südafrika sowie Äthiopien und Südarabien. Ikarus veranstaltet als erster Brasilien-Gruppenreisen mit Linienmaschinen (17 Tage, 3295 Mark).

Zu den Programmschwerpunkten zählen seit der Gründung, neben den Kurzreisen zu Fernzielen, Indien und Nepal (16 Tage, 2595 Mark), Mittel- und Südindien (16 Tage, 2495 Mark), seit anderthalb Jahren auch eine Südamerika-Rundreise (22 Tage, 4295 Mark) sowie eine Südpazifik-Weltreise (Frankfurt, Los Angeles, Hawaii, Fiji, Neuseeland, Sydney, Bali, Java, Singapur; 24 Tage, 5595 Mark). Horst Kitzki: „Unsere teuerste Reise ist zugleich auch eine der beliebtesten.“ Auch die Weltreise wird immer ausgebucht.

Der Marktlückenentdecker kann sich gratulieren. Zwischen 1973 und 1974 stieg der Umsatz von 1,6 auf rund drei Millionen Mark. Für dieses Jahr rechnet der Unternehmer mit über fünf Millionen. bo