Der PEN-Club in Darmstadt

Von Peter Wapnewski

Die erste Debatte war der Öffentlichkeit gewidmet. Ergebnis: man schloß sie aus. Das war schlecht: Denn so provoziert man den Vorwurf, man habe Peinliches zu verbergen vor den Kollegen der mitschreibenden und mitfilmenden Medien. Das war gut: Denn so verhalf man manchem zum Verzicht darauf, sein Rad zu entfalten und seinen Kriegstanz zu tanzen für ein mitgedachtes Publikum.

Die letzte Debatte war der Öffentlichkeit gewidmet. Ergebnis: sie, die geladen war zu einem Gespräch über das Wesen des PEN, darüber, wie er sich verstehe und wie man ihn verstehen wolle, – sie machte von dem Angebot keinen Gebrauch. Zwar kam sie, wenngleich zögernd und in überschaubaren Scharen (zweihundert vielleicht waren es), aber sehr wichtig schien ihr der PEN nicht zu sein. Für wie belanglos mögen die ihn halten, die gar nicht erst kommen?

Das eine wie das andere Öffentlichkeitsproblem ist symptomatisch. Es ist der PEN nicht abgedeckt gegen die Ungemütlichkeiten, die dem Bürger in einer Zeit des hochpolitisierten Bewußtseins ins Gesicht wehen. In einer Zeit, die ihre Genossen allererst einteilt in Linke oder Rechte oder Liberale; wobei erschwerend Mißweisungen hinzukommen, die zum Beispiel die Liberalen einmal rechts von den Rechten orten und einmal links von den Linken. Unter solchen Positionswirren gerät auch der PEN ins Schleudern, er ist schließlich nicht exterritorial.

Man war zur Ordentlichen Mitgliederversammlung nach Darmstadt geladen (wo der bundesdeutsche PEN domiziliert), auf den 4. und 5. April. Das klingt harmlos, zu einem Verein gehört die Meierei, er muß seine Mitglieder regelmäßig einberufen, muß um Entlastung einkommen, Anträge vorbereiten und anderes tun, wie es Satzung und Vereinsrecht wollen. Aber dieses Mal war es nicht harmlos, die ordentliche Versammlung war eine getarnte außerordentliche. Denn man wollte dem Generalsekretär Thilo Koch ans Leder, wollte ihn vorzeitig abwählen. „Man“, das heißt in diesem Club, da er Fraktionen ja nicht kennt, eine Gruppe von Individuen, die sich dem Arbeiterbegriff „links“ wohl einigermaßen fügt. Koch hat sich, daran ist nicht zu deuteln, und er gab es hier ohne Ausflüchte zu, im Zusammenhang mit der zentralen Aufgabe der personalen Ergänzung des Clubs eine Reihe von peinlichen Fehlern geleistet. Die Frage war: Wollte man diese Fehler in Anbetracht der übrigen Verdienste des Generalsekretärs als läßliche Sünden abbuchen oder aber sie als mit Geist und Buchstaben der PEN-Charta unvereinbares, wenn nicht parteipolitisches, so doch politisch parteiisches Verhalten und Handeln werten, dessen Konsequenz lediglich Amtsaufgabe sein kann. Um ein Zeichen zu setzen, waren drei Vorstandsmitglieder bereits im Herbst und mit Nachdruck ausgetreten.

Hohe Schule der Dialektik