Von Wilfried Kratz

Die Erfolgsaussichten für das Projekt müssen als sehr gering angesehen werden. Nach unserer Auffassung ist es nicht lebensfähig.“ Mit dieser Schlußfolgerung beendeten die professionellen Berater des Industrieministeriums ihre Studie eines Vorhabens, in Glasgow mit Hilfe eines staatlichen Darlehens von 1,75 Millionen Pfund eine Tageszeitung ins Leben zu rufen. Industrieminister Tony Benn hörte die Warnung der Profis aus Industrie und Finanz, handelte aber dann „unter übergeordneten Gesichtspunkten“. Er versprach 1,2 Millionen Pfund unter der Bedingung, daß für den Start des Projekts die gleiche Summe aus anderen Quellen zusammengebracht werden kann.

Dies ist nun geglückt. Das Aktionskomitee für die Gründung der Scottish Daily News konnte den Erfolg seiner Kollekte nach London melden und Benn wird in Kürze den ersten Scheck ausstellen. Der Minister würdigte das „historische Ereignis“ mit einer Erklärung: „Es wird die erste überregionale Zeitung sein, die von ihren Arbeitern geführt wird, frei von politischem Druck und kommerziellen Interessen.“

Vor etwas über einem Jahr hatte die konservative Beaverbrook-Gruppe beschlossen, ihren Glasgower Verlustbetrieb zu schließen und die über 1800 Beschäftigten zu entlassen. Der Glasgow Evening Citizen wurde verkauft, der Druck des Scottish Daily Express und des Scottish Sunday Express nach Manchester verlegt. Das war der Startschuß für eine Kampagne, aus den Glasgower Beaverbrook-Trümmern eine neue Zeitung zusammenzufügen. Es formierte sich ein Aktionsausschuß für die Bildung einer Arbeiterkooperative, einer Genossenschaft. Ein Fonds wurde eingerichtet, der Abfindungszahlungen der arbeitslos gewordenen Beschäftigten aufnahm. Man warb für Unterstützung in der Öffentlichkeit und finanzielle Hilfe von den Gewerkschaften, deren Reaktion jedoch sehr verhalten war. Das Wichtigste war die Sympathie von Industrieminister Benn, des Mannes mit dem Scheckbuch, der die Genossenschaftsidee eifrig fördert.

Rentabilität gilt nicht

Die Genossen haben die 2,4 Millionen Pfund zusammengebracht. Die Hälfte kommt aus der Staatskasse. Von den 1,2 Millionen Pfund „Eigenkapital“ entfallen 725 000 Pfund auf ein Darlehen vom Beaverbrook-Konzern, denn dieser stundet die Summe des Kaufpreises von 1,6 Millionen Pfund für das Glasgower Druckhaus und seine technischen Einrichtungen. 125 000 Pfund schießt der sozialistische Millionär und Mitvorsitzende der Genossenschaft Robert Maxwell ein, dessen verlegerische Aktivitäten einmal Gegenstand eines höchst kritischen Berichts des Industrieministeriums waren. Der Rest von 350 000 Pfund stammt aus Zeichnungen der Arbeiter und aus Mitteln, die durch Veröffentlichung eines Prospekts hereingeholt wurden.