Wie beim deutschen Fernsehen gepfuscht wird

Von Herbert John

Fernseh-Unterhaltung in Deutschland ist, das wird wohl niemand bestreiten, eine deprimierende Angelegenheit. Vollends unerträglich wirkt sie auf jemanden, der, wie ich, ständig zwischen der Bundesrepublik und den USA hin- und herreist und so Vergleiche anstellen kann. Amerikanische Show-Sendungen, das ist Hollywood. Bundesdeutsches Fernsehen ist nicht etwa Hamburg oder München. Es ist der Feuerwehrball von Ritzebüttel oder das Schützenfest in Garlstorf am Wald.

Auf beiden bundesdeutschen Kanälen gab es in den Unterhaltungssendungen des vergangenen Jahres nur eine einzige Fünf-Minuten-Szene, die man auch in einer amerikanischen Show hätte bringen können: Gert Fröbe als Boxer im Silvester-Programm des Zirkus Krone. Unter allen Mitarbeitern deutscher TV-Anstalten gibt es nur zwei, die sich auch in den USA ihren Lebensunterhalt verdienen könnten: Robert Lembke und Dieter „Thomas“ Heck. Lembke hat erkannt, daß ein freundliches und entspanntes Gesicht alles ist, wonach wir geplagten Zuschauer lechzen. Heck veredelt mit fröhlicher Chuzpe den größten musikalischen Schund zu einer swingenden Sendung. Das sollen diejenigen, die über ihn die Nase rümpfen, erst einmal nachmachen.

Fünf Minuten Weltklasse in einem ganzen Jahr, zwei fähige Unterhalter unter 30 000 altersversorgten Angestellten, das ist uns Gebührenzahlern eine zu magere Gegenleistung für die 2,5 Milliarden Mark, die wir jährlich zur Post tragen. Doch die Verantwortlichen für die deutsche TV-Unterhaltung, jenem systemlosen, aufwendigen Feldzug gegen die gute Laune, haben kein schlechtes Gewissen. Dr. Rohrbach, der Unterhaltungschef des Westdeutschen Rundfunks, riet mir, als ich mich über mangelnde Fröhlichkeit im Fernsehen beschwerte: „Dann müssen Sie eben auswandern. Humor ist nun mal kein Teil der deutschen Kulturtradition.“

Zügegeben, wenn ein deutscher Mensch keinen Schlaf findet, dann ist es selten vor Lachen. Dennoch, so trostlos, wie es die Fernsehmacher behaupten, sind wir nicht. Es bedarf auch keines Tiefblicks in die deutsche Geschichte, um die Misere auszuloten. Es ist Unfähigkeit, die alles mißraten läßt, handwerklicher Pfusch.

Nehmen wir als Beispiel eine der populärsten Sendeformen in den USA, die Situation comedy, lustige Familienserien. Aus jahrzehntelanger Erfahrung haben die Produzenten derartiger Serien gelernt, daß die einzelnen Folgen maximal 20-25 Minuten dauern dürfen. Aus einer Episode wie „Die Oma kommt“ oder „Die Lampe fällt von der Decke“ läßt sich nur eine begrenzte Zahl Witze herauspressen.