Frankreich torpediert erneut die Entscheidung über den Starfighter-Nachfolger

Mit Düsenjägern vom Typ MiG 21, so meldete der Nachrichtensprecher des belgischen Rundfunks in französischer Sprache, sollten demnächst die Starfighter-Geschwader der belgischen Luftwaffe ausgerüstet werden. Als Gegenleistung werde Belgien in der Sowjetunion eine Fahrradfabrik errichten.

Mit diesem Aprilscherz machte sich der Sprecher über das Waffengeschäft des Jahrhunderts lustig. Denn seit Monaten steht die Entscheidung über das Nachfolgemodell des inzwischen veralteten Starfighters aus. Immer wieder paßten die Verteidigungsminister aus Norwegen, Dänemark, Holland und Belgien. Gemeinsam, weil sie dann mit Mengenrabatt rechnen dürfen, wollen sie einen neuen Düsenjäger bestellen – insgesamt 350 Flugzeuge, davon 116 für Belgien, 103 für die Niederlande, 58 für Dänemark und 73 für Norwegen.

Dieser Großauftrag der kleinen europäischen Nato-Mitglieder repräsentiert einen Wert von über fünf Milliarden Mark. Entsprechend eifrig reagierten Flugzeugbauer in Europa und Amerika. Aus USA reisten Verkäufer von Northrop und General Dynamics an. Sie offerierten Varianten der mit Geld vom Pentagon entwickelten Prototypen YF 17 (Northrop) und YF 16 (General Dynamics). Die British Aircraft Corporation (BAC) versuchte den gemeinsam mit Dassault aus Frankreich entwickelte Jaguar an den Mann zu bringen. Saab aus Schweden schickte die Viggen. ins Rennen und Dassault eine weiterentwickelte Mirage,

Schon bald wurde aus dem Waffenhandel des Jahrhunderts eine skandalöse Pokergeschichte. Bis zum Herbst des vergangenen Jahres wollten sich die vier Partner entscheiden. Kurz vor dem Termin gaben die am Rennen beteiligten Bosse aus Amerika zu verstehen, daß hinter den Kulissen mit harten Bandagen gekämpft werde.

Wie zur Bestätigung gab es zufällig ein paar Tage später eine peinliche Enthüllung im niederländischen Parlament. Zwei ehrenwerte Abgeordnete, der Sozialist Pietr Dankert und der Liberale Georg Wim Kega, so wußten Tageszeitungen zu berichten, seien bereits vor einem Jahr von einem Vertreter der französischen Firma Dassault bestochen worden. 30 000 Gulden habe man ihnen geboten, falls sie sich im Verteidigungsausschuß für die Mirage stark machen würden.

Nur wenige Tage darauf machte ein durch Indiskretion bekannt gewordenes Gutachten eines ehemaligen französischen Generals Schlagzeilen. Paul Stehlin, einst Befehlshaber der Luftwaffe, dann Vertreter für einen amerikanischen Konzern, der auch elektronische Ausrüstungen für Militärflugzeuge baute, lobte in seiner Arbeit die Vorteile amerikanischer Düsenjäger gegenüber der Mirage.