Eine Passage in der Hamburger Innenstadt. Rechts vom Eingang eine Damenboutique, links ein Flippersalon, Reklame für drei Kinos. Weiter drinnen ein Spielsaal und ein Sex-Shop. Vor dem Ende der Passage, wo das Dreierkino liegt, öffnet sich links ein Einlaß zu einem kleinen schick ausgestatteten Filmtheater, in dem nur pornographische Filme aus Amerika gezeigt werden. Doch PAM, der Name des Kinos, ist nicht etwa eine Abkürzung für „Pornographic American Movies“. Schon diese Art versteckten Hinweises wäre nämlich strafbar. Das Kino darf für seine Filme überhaupt nicht werben, nur für das Haus. Und so steht es dann auch in der Tageszeitung „PAMKINO, Neues Programm, intime Atmosphäre, erregende Spannung, nur für Erwachsene“.

PAMKINO ist ein Produkt des Jahres 1975, das der Bundesrepublik den neuen Pornographieparagraphen 184 StGB bescherte. Danach ist harte Pornographie, „die Gewalttätigkeiten, den sexuellen Mißbrauch von Kindern oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand hat“, weiterhin verboten. Die sogenannte leichte Pornographie wurde mit etlichen Einschränkungen freigegeben. Strafbar macht sich, wer einen pornographischen Film „in einer öffentlichen Filmvorführung gegen ein Entgelt zeigt, das ganz oder überwiegend für diese Vorführung verlangt wird“. Doch in den mittlerweile rund 40 PAMKINOS der Bundesrepublik wird das Verbot durch eine so simple wie hieb- und stichfeste Konstruktion umgangen. Sie geben sich nämlich als gastronomische Betriebe, in denen zur Unterhaltung der Gäste eben Pornofilme gezeigt werden. Und das ist erlaubt.

Das Gastronomische erschöpft sich freilich darin, daß der Gast an der Kasse kein Billett, sondern ein Getränk ersteht. Dies wird ihm in ein Körbchen getan. Er zahlt dafür 12 Mark.

An einem Nachmittag in der Woche sah ich ausnahmslos einzelne, meist ältere Herren, die sich mit dem Körbchen in der Hand einen Platz im Pornokino suchten. Abends und am Wochenende sollen es, nach Auskunft des jungen Mannes am Büfett, auch viele Ehepaare, Frauenpärchen und junge Leute sein. Noch flimmern nur bunte Flecken über die Leinwand, und ein Sänger trällert das beziehungsvolle Liedchen „Je älter die Geige, desto schöner ihr Klang“. Dann die Vorschau, danach die Ankündigung des deutschen PAMKINO-Verleihers, ein Clownspärchen. Sie bückt sich, er macht einen Satz von der Schaukel und landet dort, wo er landen muß, nämlich hinten. Das Pärchen verbeugt sich, er trägt einen stattlichen Kunstpenis, eine Schrift erscheint: Bauer-Film zeigt...

Bauer-Film sitzt in Dortmund. Der Verleih hat 1975 80 Pornofilme in seinem Programm, ausnahmslos amerikanische. Damit beliefert er die PAMKINOS. Zwei Jahre haben die Leute von Bauer das Projekt vorbereitet. „Wir haben“, so erklärt Geschäftsführer Siegfried Bartylla, „mit gespannten Interesse die verschiedenen Gesetzesvorlagen verfolgt, bis wir dann im Januar dieses Jahres loslegen konnten.“

Die Frage, warum PAMKINO keine Filme aus Skandinavien zeigt, sei typisch für den Laien. Dorther kämen nicht die echten Pornos, sondern sogenannte Sexfilme, in denen das Wesentliche verschleiert würde. Der schlüpfrige Sexfilm sei nur für den Export ins Ausland bestimmt gewesen, Hauptkunde: die Bundesrepublik. Die Dänen und Schweden selbst hätten sich seit der frühen Liberalisierung ihrer Pornographiegesetze nicht das Hausgemachte, sondern harte amerikanische Ware angesehen. „Der amerikanische ‚hardcore’-Film fängt da an, wo der Sexfilm aufhört.“ Hardcore heißt harter Kern.

Bislang hat Bauer das Monopol auf diese Art Spielfilme, und das Geschäft geht gut. „Erst sind wir an die Leute herangetreten“, sagt Siegfried Bartylla, „jetzt ist es umgekehrt.“ Heute treffen in Dortmund täglich Anrufe und Briefe von interessierten Theaterbesitzern ein. Doch Bauer nimmt nicht jedes Angebot zur Zusammenarbeit an. In keiner Stadt, außer Hamburg, München und Berlin, soll mehr als ein PAMKINO entstehen, denn „das Geschäft kann man nicht ad libitum ausbreiten“. Der Markt sei fest umrissen und konstant. Man habe es nicht mit einer Modewelle zu tun, sondern mit einem echten Bedürfnis von Menschen.