Von Dietrich Strothmann

Erst auf den letzten vier Druckseiten wird dem, der sich für theologische Fragen wohl interessiert, in ihnen indes nicht wissenschaftlich-forschend beheimatet ist, endlich klar, um was es auf den rund 85 Seiten davor so ausführlich, doch unverständlich, gegangen ist: um es "durchaus mit einem Schuß Banalität" zu sagen (so der Autor selber voller unerwarteter Einsicht) – die Krise der Religion könne es nur dort geben, wo Religion lebendig sei.

Das ist zwar, zugegeben, simpel formuliert, doch einleuchtend, rundweg begreifbar. An dieser, leider kurzen Stelle, heißt es auch, ebenso eingänglich: "Die Krise der Kirche besteht darin, daß sie bescheidener von sich denken muß, um der Größe ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Das involviert ein Stück Selbstverleugnung in dem seriösen Sinne des Wortes." Wie vernünftig, wie überzeugend, vor allem wie faßlich ausgedrückt. Es ist, wie gesagt, eine von vier, fünf Stellen in dem von seinem Thema her durchaus beachtenswerten und brisanten Büchlein:

Trutz Rendtorff: "Gesellschaft ohne Religion?"; Serie Piper 117, Piper Verlag, München 1975; 101 S., 8,– DM.

Schon der Titel verführt: "Gesellschaft ohne Religion?" Das ist ein Thema, gemessen am unübersehbaren Interesse gegenüber theologischkritischen Fragen; die Bestsellerpositionen Küngs und Zahrnts beweisen es zur Genüge. Doch der Titel stimmt so nicht; der Leser wird durch einen Irrgarten blanker Theorien, gespickt mit wuchernden Sprachblüten, geschickt. Und am Ende ist er so klug – oder so unklug, unklüger vielleicht sogar – wie zuvor.

Denn der Titel versprach ihm doch wohl Antworten zu allenthalben aufgeworfenen Fragen: Was ist Religion heute? Wie wird in unserer Zeit geglaubt? Welche Macht kommt der Kirche in Staat und Gesellschaft überhaupt zu? Macht Kirche grundsätzlich noch Glauben aus? Nichts davon bei dem Münchner Professor für systematische Theologie, Trutz Rendtorff. Kleingedruckt lautet daher auch der Untertitel seines angestrengten Dozentenprodukts "Theologische Aspekte einer sozialtheoretischen Kontroverse (Luhmann/Habermas)".

Erführe man dann doch wenigstens klipp und klar, zu welchen unterschiedlichen Einsichten die beiden Soziologen gelangt sind, womöglich noch, zur Erleichterung des Verständnisses, gleich zu Beginn dieser angeblich kontroversen Studie. Auch davon nichts. Mühsam, gegen Mitte der Darlegungen, meist nur zwischen den Zeilen, wird mitgeteilt, was wer zu dem speziellen Thema gesagt hat; wobei, was völlig ungeklärt bleibt, von dem Systemtheoretiker Luhmann häufiger die Rede ist, als von dem Krisentheoretiker Habermas.