Eine in der Welt bislang einmalige bevölkerungspolitische Aktion ist in Pakistan angelaufen. Der Plan – offizielle Bezeichnung „Kontrazeptive Überschwemmung“ – sieht vor, daß pakistanische Männer und Frauen jeden Monat 4,6 Millionen Vier-Wochen-Packungen Antibaby-Pillen und knapp sieben Millionen Stück Präservative benutzen. Fünfzehn Millionen Dollar hat die Regierung in Islamabad für das Geburtenkontrollprogramm veranschlagt, das von den USA, Großbritannien, der Bundesrepublik und den Vereinten Nationen unterstützt und gemeinsam finanziert wird.

Vier Kinder werden in jeder Minute in Pakistan geboren, drei Millionen pro Jahr. Bei gleichzeitigem Anstieg der Lebenserwartung bedeutet diese Geburtenzahl, daß sich innerhalb von 24 Jahren die Bevölkerung Pakistans auf 130 Millionen Menschen verdoppeln würde.

Wenn die geplante Menge von Pillen und Präservativen tatsächlich benutzt wird, würden 334 000 Kinder jedes Jahr nicht geboren. Für jedes Ungeborene wendet der pakistanische Staat 57 Dollar auf, jährlich insgesamt rund 20 Millionen Dollar. Doch die Investition dürfte sich lohnen. Denn durch jedes ungeborene Kind, so taxieren Bevölkerungsexperten, spart der pakistanische Staat an die hundert Dollar ein. Abzüglich der für das Kontrazeptionsprogramm veranschlagten Kosten ergibt sich ein Plus von 13 Millionen Dollar, die zum Kauf dringend benötigter Nahrungsmittel aufgewendet werden könnten.

Ziel des Programms ist es, daß jeder Bewohner Pakistans, der eines der beiden empfängnisverhütenden Mittel anwenden möchte, dieses auch tatsächlich erhalten kann – selbst in abgelegenen Regionen. Über 50 000 Anlaufstellen, Ärzte beispielsweise und staatlich bezahlte Sozialarbeiter, aber auch Geschäfte in Einödgebieten sollen bis zum Jahresende ausreichend mit Pillen und Präservativen versorgt sein.

Die Mittel werden nicht kostenlos verteilt, aber ihr Preis ist so niedrig, „daß auch die Ärmsten der Armen sich die sicheren Geburtenkontrollmittel leisten können“, sagt Dr. Andrew Haynal, Bevölkerungsplaner in Islamabad. Der Preis für einen Pillenmonatsvorrat oder ein Dutzend Kondome ist der niedrigste der Welt: Sie kosten jeweils zweieinhalb Cent, umgerechnet rund sechs Pfennig.

Zur Zeit muß Pakistan sowohl Pillen als auch Präservative importieren und in harten Devisen bezahlen. Vier Millionen Dollar aus der Entwicklungskasse stellte die Bundesrepublik unlängst zur Verfügung. Mit dem Geld soll eine Gummiwarenfabrik aufgebaut werden, so daß die Pakistanis auf diesem Gebiet möglicherweise schon bald autark sind. kk