Südfrankreichs Weinbauern lassen keinen italienischen Importwein mehr ins Land

Die Weinbauern im französischen Midi bewiesen noch im Protest Tradition: Aus Zorn über den Verfall der Weinpreise und die erlösschmälernden Billigimporte aus Italien besetzten sie in der Osterwoche unter bischöflichem Segen die Kathedrale von Montpellier; sie hatten sie schon einmal, im Jahr 1932, aus Verbitterung über die Verwässerung der Weinpreise okkupiert.

Als dann aber die Weinbauern nach einem kurzen Waffenstillstand über Ostern erneut in Horden auf Tankwagen losgingen und auf südfranzösischen Landstraßen gar 175 000 Liter Importwein gewalttätig in den Graben laufen ließen, da warnte schließlich auch die Geistlichkeit vor allzu weltlichen Zornesausbrüchen.

Die Strategie der Gewalt indes tat ihre Wirkung: Bereits zu Ostern hatte auch der letzte italienische Weintransporteur sich in eiliger Flucht über die Grenze in sein Heimatland gerettet, und seitdem lassen die französischen Häfen kein Tankschiff mit Rotwein mehr anlegen. Frankreichs Weinhändler-Organisation verpflichtete sich mit Billigung der Regierung in Paris, einen Monat lang keinen Tropfen Wein aus dem Ausland mehr hereinzuholen.

In diesem Weinkrieg, der inzwischen auch von Rom und Paris ausgetragen wird, prallen als direkte Gegner zwei europäische Entwicklungsgebiete aufeinander. Der Midi, der arme Süden Frankreichs und die noch ärmere Spitze des italienischen Stiefels, der Mezzogiorno. Frankreich und Italien sind die beiden größten Weinbauländer der Welt. Aber bei der Vermarktung der Produktion aus den südlichen Landesteilen hatten sie von jeher Schwierigkeiten: Beide Regionen liefern vor allem Massenwein, der sich nur als Verschnittwein oder billiges Tischgetränk verkaufen läßt.

Bei diesen Kreszenzen zählen nicht Blume und Geschmack, sondern hauptsächlich die Alkoholgrade. Dabei aber sind die Weine aus dem sonnenbegünstigten Süden Italiens den Rebenprodukten des französischen Midi überlegen. Nach der Liberalisierung des EG-Weinmarktes im Jahre 1970 stiegen deshalb die französischen Rotweinimporte aus Italien sprunghaft. Frankreich bezieht inzwischen fast ebensoviel Wein von seinem südlichen Nachbarn wie die Bundesrepublik, der aus langjähriger Tradition beste Weinkunde Italiens. Die französischen Weinbauern meinen freilich zu wissen, warum: Sie werfen den Italienern Dumping vor und hegen den Verdacht, daß sich der Alkoholgehalt italienischer Exportweine in vielen Tankschiffen geheimnisvoll erhöht.

Tatsache ist, daß die Weinproduktion, der letzten beiden Jahre in Italien und Frankreich, wie in der Europäischen Gemeinschaft überhaupt, erheblich über dem langjährigen Durchschnitt lag. Rund 23 Millionen Hektoliter Rotwein, so schätzen Kenner, lagern in den beiden Ländern unverkäuflich in Tanks und Fässern.