Von Wolfram Siebeck

Es ist erreicht: Weit mehr als die Hälfte der Bundesbürger sieht mit größerer Zuversicht in die Zukunft als noch vor einem halben Jahr. Ängste und Sorgen schwächer; Optimismus anziehend. Das Ende der Talfahrt ist nah: In England hat sich ein Maurermeister totgelacht.

Ganz sicher bin ich zwar nicht, ob es ein Grund zur Freude ist, wenn sich jemand totlacht. Dennoch – die Entdeckung, daß es an einem gar nicht so weit entfernten Ort schon wieder so viel zu lachen gibt, hat etwas Tröstliches. Der Anlaß zum anhaltenden fatalen Gelächter war übrigens eine Fernsehklamotte der BBC. (Die Witwe dankte dem Fernsehen, weil die letzten Minuten ihres Mannes so fröhlich gewesen seien.)

Auch bei uns sind Todesfälle vor dem Bildschirm denkbar. Es könnte jemand beim Gähnen sich das Genick brechen, oder es trifft ihn vor Aufregung der Schlag bei der Ziehung der Lottozahlen. Nur haben, seit Loriot vom Bildschirm verschwunden ist, auch die eifrigsten Fahnder der Bundespost nicht einmal einen Schwarzlacher registrieren können.

Dabei ist doch alles bestens; besonders in der Wirtschaft. Stillgelegte Baustellen wachsen wieder fröhlich lärmend in die Höhe und Breite. Alte Alleen, die unplanmäßig den Winter überleben durften, werden nun doch abgeholzt, weil die ersten Autokäufer gesichtet wurden. Und gebaut wird wohl auch das umstrittene Atomkraftwerk bei Schweinfurt. Denn der bayerische Verwaltungsgerichtshof belehrt die protestierenden Umweltschützer: "Das Interesse an der Sicherstellung der Stromversorgung des Landes" überwiege "den Schutz von Leben, Gesundheit und Sachgütern."

Gut gesagt! Was kann uns überhaupt der Schutz von Leben (geborenem und ungeborenem), Gesundheit und Sachgütern bedeuten, wenn wir keinen Strom haben? Fällt die Stromversorgung nämlich aus, fällt auch das Fernsehen aus. Und ohne Fernsehen hätten wir nicht die geringste Chance, uns eines Tages totzulachen. Nicht einmal dieses bißchen Fröhlichkeit wollen uns die Umweltschützer gönnen. In Wyhl am Rhein verhindern sie schon seit Monaten den Bau eines anderen Atomkraftwerkes, das der fröhliche Herr Filbinger so unternehmenslustig geplant hat.

So zeigt sich menschlicher Egoismus: Sie denken nur an ihr Leben und ihre Gesundheit, wo es um mehr geht, nämlich um die Sicherstellung der Möglichkeit, sich vor dem Bildschirm totzulachen, Es ist zu hoffen, daß ihnen der Spruch des bayerischen Verwaltungsgerichts vor Augen führt, wo die Prioritäten liegen.