Von Rainer Frenkel

Am Dienstag, dem 14. April, trifft sich in Wolfsburg eine Runde von Herren, die sich eigentlich nichts mehr zu sagen haben. Denn was zu sagen war, hat ein gut Teil von ihnen in Zeitungen und anderswo längst von sich gegeben, einschließlich der Dinge, die besser ungesagt geblieben wären.

Aufsichtsratssitzung beim Volkswagen werk: Veranstaltung zur Information der Mitglieder, die die Zeitungen nicht gelesen haben? Es ist wahrhaftig schwierig, diese Zustände anders als sarkastisch zu beschreiben.

Da geht es doch schließlich darum, das vormals größte deutsche Unternehmen mit Unterstützung der vom Aktiengesetz dazu Berufenen, der Aufsichtsräte also, aus einer lange vernebelten Strukturkrise zu ziehen. Da geht es ganz schlicht um Zehntausende von Arbeitsplätzen, um Ruin oder wirtschaftliches Überleben einer ganzen Region. Und einige Mitglieder des Kontrollgremiums, in das die Bundesrepublik, das Land Niedersachsen und die IG Metall eine ganze Reihe von Repräsentanten entsandt haben, halten das für die rechte Zeit, ihre eigenen Süppchen vor aller Öffentlichkeit zu kochen.

Statt dem wahrlich beteiligten Publikum den Eindruck zu vermitteln, hier werde mit der gebotenen Sachlichkeit abgewogen und entschieden, statt – legitime – Interessen bei der dafür vorgesehenen Gelegenheit, der Aufsichtsratssitzung nämlich, vorzutragen, werden jeweils vorher schon Spiegelgefechte vollführt, Fensterreden gehalten.

Nur drei Beispiele für viele:

  • Der FDP-Wirtschaftsminister des VW-Großaktionärs Niedersachsen, Erich Küpker, als frisch bestelltes Aufsichtsratsmitglied vor Wochen noch Befürworter „unternehmensbezogener“ Lösungen, tröstet seine um ihren Arbeitsplatz besorgten Landeskinder mit der erstens unzutreffenden und zweitens falsche Hoffnungen weckenden Behauptung, das Projekt, in den USA ein VW-Werk einzurichten, sei vom Tisch. Was soviel sagt wie: Seht her, was ich für euch tue und für euren Arbeitsplatz.
  • Der IG-Metall-Chef Eugen Loderer, Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden, erklärt erst einmal dpa – und damit auch allen Gewerkschaftlern –, daß für ihn eine Werkschließung nicht in Frage komme, daß die „vorhandenen Schwierigkeiten auf möglichst viele Schultern zu laden“ seien. Des Nachdenkens wert immerhin, doch ebenso fehl am Platze.
  • Ein CDU-Politiker namens Hans Edgar Jahn schließlich setzt, wie er wissen ließ, „von hoher Warte“ inspiriert, ebenso genaue wie falsche Zahlen über die bevorstehenden Massenentlassungen in die Welt. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wird bekanntlich bald gewählt.