Es ist ja gerade ein starkes Moment des herrschenden Pessimismus, oder auch Nihilismus, daß wir nichts wissen, was wir an die Stelle des sozialistischen Hoffnungssymbols setzen sollen. Die Lage ist doch so, daß wir nirgendwo Auswege sehen und daß uns auch die kommunistischen und die linkssozialistischen Parteien mit gutem Gewissen und guten Gründen versehene Argumente für ihren Sozialismus nicht mehr anzubieten haben. Es ist uns also etwas abhanden gekommen, und zugleich ist uns die Zukunft verriegelt worden.

Selbstbeschreibung eines Linken (Gerhard Zwerenz in einem Gespräch mit der Zeitschrift „pardon“)

Daß er immer nur an die Zukunft denken mußte, und sich andererseits keine Zukunft vorstellen konnte, machte die Hoffnungslosigkeit aus. Selten war er bis jetzt so heiter gewesen, noch nie so hoffnungslos.

Selbstbeschreibung eines Sensiblen (Peter Handke, „Die Stunde der wahren Empfindung“)

Godard dreht wieder

Plötzlich ist er wieder da. Nach seinem schweren Verkehrsunfall 1970 war von Jean-Luc Godard kaum mehr etwas zu hören. Sein Film „Tout va bien“ kam noch heraus, begleitet von seltsamen Kommentaren seiner beiden Stars (Jane Fonda fand ihn sehr wichtig, Yves Montand ganz schrecklich); die El Fatah-Dokumentation wurde nie beendet, „One a. m.“ war nie zu sehen, und ob „Moi, je“, die Ehegeschichte Godards mit seiner Ex-Gattin Anne Wiazemsky, je vollendet wurde, ist nicht bekannt. Auch die Arbeiter-Filmgruppe „Dziga Wertow“ brach auseinander, ihre „Cinétracts“, kleine politische Zielgruppenfilme, liefen ein-, zweimal auf Randfestivals. Ab und zu, hieß es, konferierte Godard mit dem Erfolgsproduzenten Jean-Pierre Rassam. Und nun gab er nach vierjährigem Schweigen einer Branchenzeitung ein Interview über seine Pläne: „A bout de souffle II“, ausgehend von dem gleichen Drehbuch wie sein berühmter Erstling 1960, soll schon im Mai in Cannes laufen, und „Comment ça va?“, ein Film über den viertägigen Urlaub einer Kellnerin mit einem Kollegen, werde die Ausbeutung des Menschen durch „das System“ zeigen. Godard findet, daß Filme heute viel zu teuer produziert würden, und wird mit Hilfe neuer technischer Mittel um zwei Drittel billiger als üblich drehen.

Theaterfest für Kinder