Gute Nachrichten für die Flugpauschalreisenden der Sommersaison 1975: Der Stuttgarter Verbraucher-Verein sagt ihnen, mit welchem Reiseveranstalter man am billigsten sein Ziel erreicht. Das ist in der Tat ein verdienstvolles Unternehmen, da der Verbraucher kaum mehr in der Lage ist, sich bei der Unzahl von Katalogen mit unterschiedlichen Preistabellen ein Urteil zu bilden.

So haben sich die zehn jungen Leute, die das Stuttgarter Unternehmen unlängst aus der Taufe hoben, stellvertretend für ihre Kunden seit Weihnachten durch die Prospektlawine der 18 größten Flugpauschalreiseveranstalter hindurchgefressen. Das Ergebnis sind 800 Seiten Vergleichstabellen, die jedermann abschnittsweise für die verschiedenen Zielgebiete, für drei bis zehn Mark direkt beim Verbraucher-Verein (7 Stuttgart 1, Hölderlinstraße 51) beziehen kann.

Ausgangspunkt des Preisvergleichs war die Tatsache, daß sich praktisch in allen Feriengebieten bis zu 75 Prozent des Bettenangebots in den Händen mehrerer, sich überschneidender Veranstalter, befindet. Es ist keine Seltenheit, daß das gleiche Hotel von sechs verschiedenen Veranstaltern zur gleichen Zeit, vom gleichen Abflughafen, zu gleichen Leistungen aber zu völlig unterschiedlichen Preisen angeboten wird. Differenzen bis zu 600 Mark bei einer Drei-Wochen-Reise haben die Stuttgarter Katalog-Tester herausgefunden.

Einen ausgesprochenen Billiganbieter, wie manche Werbesprüche glauben machen wollen, gibt es freilich nicht, die preisgünstigsten Angebote verteilen sich mehr oder weniger gleichmäßig auf alle Veranstalter. Das besondere Verdienst des Verbraucher-Vereins besteht darin, daß seine Vergleichstabellen echte Endpreise enthalten: für den jeweiligen Abflugtermin wurden bereits alle möglichen Aufschläge mit einkalkuliert, als da sind: Saisonzuschläge, Zuschläge für bestimmte Flughäfen, für Feiertage oder für verlängerten Aufenthalt, aber auch Nachlässe, wie Spartermine oder Nachsaisonvergünstigungen.

Wie aber, so fragt sich der erstaunte Tourist, kann es zu solchen enormen Preisunterschieden bei gleichen Leistungen kommen? Die Veranstalter halten dafür verschiedene Erklärungen bereit. So kann es beispielsweise durchaus sein, daß ein Veranstalter auf Grund bestimmter Erfahrungen seine Flugketten so organisiert hat, daß eine maximale Auslastung mit Zwei-Wochen-Reisen erfolgt: sie müssen das meiste Geld bringen, deshalb wurden die Drei-Wochen-Termine absichtlich verteuert, um die Nachfrage zu bremsen. Ein anderer Veranstalter aber hat hier gerade umgekehrt disponiert, schon gibt es beachtliche Preisdifferenzen. Große Veranstalter kaufen unter Umständen größere Bettenkapazitäten günstiger ein, oder sie subventionieren bestimmte Abflughäfen aus dem Aufkommen anderer Abflughäfen, um Konkurrenten ein Schnippchen zu schlagen. In Jugoslawien wird in dieser Saison heftig um Marktanteile gekämpft, einige Veranstalter arbeiten hier mit ausgesprochenen Kampfpreisen. Unterschiedlich sind schließlich auch die Preisforderungen der Charterfluggesellschaften.

Den Verbraucher interessieren solche strategischen Überlegungen nicht, im Gegenteil, er wird mit Recht seinen Vorteil daraus ziehen.

Ferdinand Ranft