Stuttgart Eine wenig bekannte schwäbische Spezialität gibt es nicht mehr: der Verwaltungsaktuar ist tot. Ein Beamtentyp, der seine Existenz dem „Verwaltungsedikt für die (Gemeinden, Oberämter und Stiftungen“ aus dem Jahr 1822 verdankte, wurde der Gemeindereform geopfert.

Die Aktuare, auch Hilfsbeamte genannt, sollten die Herren Bürgermeister mit den Geheimnissen des Rechnungs-, Steuer- und Haushaltswesens vertraut machen. Damit war der Grundstein für eine leistungsfähige, kommunale Selbstverwaltung gelegt. 1906 wurde den Ortsvorstehern die Wahl auf Lebenszeit abgeschafft, die Einrichtung des Aktuars war gesichert. 1930 wurde der Beruf sogar noch aufgewertet. Zu den bisherigen Aufgaben kam die fachmännische Beratung der Landgemeinden hinzu. Die württembergische Gemeindeordnung von 1955 unterstrich noch einmal die bedeutsame Stellung des Aktuars: Er mußte die Voraussetzungen für den gehobenen Verwaltungsdienst besitzen und das 28. Lebensjahr vollendet haben. Gewählt wurden die Aktuare von den jeweiligen Kreistagen auf Lebenszeit. Als Pendler zwischen den Rathäusern entwickelten sie regionales Denken.

Durch die Gemeindereform in Baden-Württemberg, die seit Anfang 1975 gesetzlich geregelt ist, wurden größere Verwaltungseinheiten geschaffen. Die Laien-Bürgermeister, die knitzen Dorfschultheißen, kann man in einem so perfektionierten Verwaltungssystem nicht mehr gebrauchen. Es ist nur konsequent, damit auch die Aktuare aufs Altenteil zu setzen.

Helmut Groß