Die deutschen Börsen melden Rekordumsätze. Das in der Vergangenheit stark reduzierte Personal der Börsenabteilungen der Kreditinstitute macht Überstunden. Solange die Liquiditätsversorgung der Banken und Sparkassen so gut bleibt wie gegenwärtig, ist nach Meinung der Börsianer ein ernsthafter Rückschlag. am Aktienmarkt nicht zu befürchten. Am Beispiel der Deutschen Babcock & Wilcox AG zeigt sich überdies, daß das Interesse der Ölförderländer an deutschen Beteiligungen fortbesteht. Nicht alle Ölstaaten wünschen „echte“ Beteiligungen wie der Iran. Die meisten suchen lediglich eine wertbeständige Kapitalanlage. Und oft sind es nicht einmal die Regierungen dieser Staaten selbst, die kaufen, sondern ihre am Boom verdienenden Bürger, die sich außerhalb ihres Landes eine Risikorücklage schaffen.

Angeregt wurde die Börse außerdem durch den „Bombenabschluß“ der Deutschen Bank.’ Die Dividendenerhöhung hat – obwohl angekündigt – die Hausse der Bankaktien noch einmal beschleunigt. Dabei zogen nicht nur die Großbank-Kurse an, sondern kräftiger noch die Notizen einiger Regionalinstitute, vor allem der Bayerischen Vereinsbank, die innerhalb von knapp sechs Monaten eine Wertsteigerung von 65 Prozent erlebte. ADCA-Aktien kletterten seit Beginn des Jahres um knapp 55 Prozent. Die Aktien der Berliner Handels-Gesellschaft – Frankfurter Bank, eine Zeitlang durch die kürzlich durchgeführte Kapitalerhöhung behindert, nahmen nunmehr voll an der Bankenhausse teil. Wer junge BHF-Aktien gezeichnet hat, verdiente innerhalb weniger Wochen rund zehn Prozent seines Einsatzes.

Die Kapitalerhöhungen bei MAN und GHH haben die Tendenz am deutschen Aktienmarkt nicht belastet. Auch die Mannesmann-Kapitalerhöhung scheint reibungslos über die Bühne zu gehen. Am ersten Notierungstag der Bezugsrechte wurde ein großer Teil des Bezugsrechtabschlages von etwas mehr als zehn Mark sofort wieder aufgeholt. Durch die beschlossene Stimmrechtsbeschränkung hat der Kurs der Aktie keinen Schaden genommen. Gleichwohl hält die Diskussion über die Notwendigkeit dieser Maßnahmen an, verstärkt noch durch die Ankündigung der Deutschen Bank, eine ähnliche Einschränkung der Aktionärsrechte beschließen zu wollen.

Trotz der beginnenden Stahlflaute, die besonders auf den Exportmärkten zu einem harten Preiskampf geführt hat, registriert die Börse ansehnliche Anlagekäufe auch bei Thyssen und Hoesch. Stahlaktien kommen aber ebenso langsam voran wie die Aktien der Großchemie, die analytisch gesehen trotz rückläufiger Unternehmensgewinne immer noch zu den preiswertesten der deutschen Börse zu zählen sind. K. W.