Zu einer Kursrakete hat sich in diesem Jahr die Aktie der ADCA (Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt, Berlin–Frankfurt–Bremen) entwickelt. Sie stieg seit dem 2. Januar von 106 auf etwa 164 Mark; das entspricht einer Steigerung um rund 55 Prozent. Die ADCA erregt immer aufs Neue die Phantasie der Börse, die vor allem an der Geschäftsausweitung des Instituts Gefallen findet. Die ADCA, 1856 in Sachsen gegründet, konnte erst 1965 ihre Tätigkeit in der Bundesrepulik und West-Berlin wieder aufnehmen. 1966 betrug die Bilanzsumme 7,6 Millionen Mark, Ende 1974 rund 3 Milliarden Mark.

Mitgeholfen an diesem Wachstum hat die Übernahme der Bankhäuser W. Feuchtwanger sowie Preusker und Thelen, aber vor allem die 1973 durchgeführte Fusion mit der Norddeutschen Kreditbank AG, Bremen, deren Geschäfte bis dahin nicht immer erfolgreich verlaufen waren. Die Absicht, den von der Nordkredit bei dem Hamburger Bankhaus Joh. Berenberg, Gossler (Berenberg Bank) gehaltenen 50prozentigen Anteil auf eine Mehrheit zu bringen, scheiterte am Widerstand der übrigen Gesellschafter. Deshalb mußte die ADCA jetzt in Hamburg eine eigene Niederlassung errichten.

Mit der Rückendeckung der Großaktionäre, der Norddeutschen Landesbank in Hannover und der Wells Fargo Bank N. A., San Francisco, hat die ADCA auch das wegen der Herstatt-Affäre heikle Bankenjahr 1974 gut überstanden. Vernünftigerweise wurde es zur Konsolidierung des bis dahin recht stürmisch gewachsenen Geschäftes benutzt.

Von Bedeutung ist der schwebende Prozeß um die Rückgewinnung des Pfandbriefprivilegs, das die alte ADCA besaß. Wann eine Entscheidung fallen wird, ist ungewiß. Auch wenn der Wettbewerbsvorteil der „gemischten Banken“ gegenüber den Großbanken gesunken ist, weil sich diese Hypothekenbanken als Töchter angegliedert haben, so bleibt das Pfandbriefprivileg auch heute noch interessant.

Für 1974 hat der Vorstand wieder eine Dividende von vier Mark auf die 50 Mark-Aktie in Aussicht genommen. -dt