Nur bei den Importautos nehmen die Verkäufe wieder zu

Von Jes Rau

Nach chinesischer Zeitrechnung hat am 2. Februar das Jahr 4673 begonnen, das „Jahr des Kaninchens“. Es verspricht „Glück und Erfolg“. In Englewood Cliffs, dem Hauptquartier von „Volkswagen of America“ vor den Toren New Yorks, sieht man darin ein gutes Omen. Im Februar nämlich hat in den USA der Verkauf des VW-„Golf“ begonnen, der hier auf den Namen „Rabbit“ hört, zu deutsch: „Kaninchen“.

„Glück und Erfolg“ stellten sich auch prompt ein: Gleich im ersten vollen Verkaufsmonat entschieden sich mehr Amerikaner für den Neuling als für den „Beetle“ (Käfer). Mit seiner Hilfe verkaufte VW im Februar 25 Prozent Autos mehr als im Monat zuvor. Im März dauerte die Kaninchenjagd der Amerikaner an. Das Absatzziel – 140 000 Golfs in diesem Jahr – mußte schon um 15 Prozent nach oben revidiert werden.

„Glück und Erfolg“, freilich, braucht VW in den USA dringender denn je. Denn die Käfer-Ära neigt sich auch hier dem Ende zu. So ruht auf dem Fell des Wolfsburger Stallhasen die Zukunft des VW-Amerikageschäftes. Kann der „Rabbit“ den Erfolg des sagenumwobenen „Beetle“ wiederholen?

Die Startbedingungen des Mümmelmannes sind wesentlich ungünstiger als die des Käfers. Als VW-Generaldirektor Heinz Nordhoff 1948 mit technischen Zeichnungen des Käfers in die USA reiste, um einige Händler für den Vertrieb in den USA zu gewinnen, mußte er die Skizzen beim Zoll als „Kunstwerk“ deklarieren. Der Beamte wollte dem fahrbaren Volksuntersatz die Bezeichnung „Auto“ nicht zugestehen. Denn: Das winzige Unauto rangierte zu Beginn seiner Karriere unterhalb der Größenklasse, der die Amerikaner noch die Bezeichnung „Auto“ zubilligten. So hatte es praktisch keine Konkurrenz. Wegen des überbewerteten Dollars war das Vehikel zudem spottbillig.

Die Landschaft, die der „Rabbit“ alias Golf vorfindet, hat sich seither gründlich verändert. Alle vier US-Autokonzerne haben mit den sogenannten „Sub-Compacts“ wesentlich handlichere Fahrzeuge als früher in ihrem Programm. Daneben bieten alle europäischen und japanischen Hersteller den Amerikanern Alternativen zum gängigen Straßenkreuzer made in USA. Die Verhältnisse auf dem Devisenmarkt haben sich ins Gegenteil umgekehrt. Der „Rabbit“ kann deshalb seine Haut auch nicht so billig zu Marine, tragen tragen wie der Käfer. So hatten, die Volkswagentechniker alle Mühe, eine Sparversion des „Rabbit“ für weniger als 3000 Dollar zurechtzuschneidern. Genau wie die Autoriesen in Detroit wirbt so VW zum Marktstart mit einem Modell, das selbst lebensnotwendiger Bestandteile entkleidet ist und das die Händler den Kunden nur als Beispiel dafür vorzeigen, wieviel lohnender es doch ist, gleich 500 Dollar mehr anzulegen. Überdies wird VW voraussichtlich im Mai seine US-Preise nochmals anheben müssen.