Kernenergie für die Welt von morgen

Von Rudolf Eberle

Das geplante Kraftwerk Wyhl am Oberrhein hat Gegner und Befürworter einer neuen Energiepolitik auf den Plan gerufen. Insofern hat Wyhl tatsächlich Modellcharakter für andere Vorhaben in der Bundesrepublik. Denn in Wyhl kommt mehreres zusammen:

  • Die systematischen Gegner der Kernenergie in Deutschland wollen mit ihren Aktionen hier den Bau weiterer Kernkraftwerke überhaupt stoppen.
  • Viele Bürger in diesem Raum lehnen ein „Ruhrgebiet“ am Oberrhein ab, das man ihnen als Gespenst an die Wand gemalt und mit dem Kernkraftwerk in Zusammenhang gebracht hat.
  • Manche Winzer und Landwirte fürchten, durch Auswirkungen des Kühlturms könnten ihre Kulturen geschädigt werden.

Zugleich ist Wyhl aber auch ein Modellfall, wie schwer Planungen für die Zukunft heute durchgesetzt werden können. Protestbewegungen und Geländebesetzungen bei der Planung von Kernkraftwerken, Raffinerien, Mülldeponien, Schnellbahnstrecken oder Autobahnstraßen beweisen das. Im Ausland spielt sich Ähnliches ab, so im schweizerischen Kaiseraugst.

Es erscheint der baden-württembergischen Landesregierung als gut und nützlich, daß die ZEIT ein Diskussionsforum eröffnet. Das dient der Klärung der Meinungen, vor allem aber auch der Fakten. Denn ständig werden falsche oder halbwahre Behauptungen wiederholt, so lange, bis sie geglaubt werden. Leider gab auch der Abgeordnete Rolf Böhme (ZEIT Nr. 15) eine ganze Reihe davon wieder – zum Beispiel, Frankreich plane sechs und Baden-Württemberg drei Kernkraftwerke am südlichen Oberrhein (in Wahrheit je zwei); man habe sich mit den Auswirkungen der Kühltürme nicht auseinandergesetzt (in Wahrheit mit Hilfe mehrerer Gutachten noch nirgends so umfassend und gründlich geschehen wie in diesem Verfahren); oder es gebe „keinen Hinweis, wie sich die Kernkraftwerke in ein einheitliches Energieprogramm des Landes einfügen sollen“ (in Wahrheit stand das baden-württembergische Energieprogramm im Entwurf, der das deutlich ausspricht, ein halbes Jahr zur öffentlichen Diskussion und wird demnächst nach Überarbeitung dem Parlament zugeleitet).

Mir scheint, daß bei dem ganzen Komplex folgende Fragen im Vordergrund stehen: