Prognosen nach der schwersten Krise der Automobilindustrie in der Bundesrepublik: Mit sanftem Tempo geht es aufwärts.

Zwei Prognosen über die Zukunft der deutschen Automobilindustrie wurden in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit präsentiert. Sowohl das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung als auch die IG Metall kommen darin zu dem Schluß: In den nächsten zehn Jahren wird die Automobilproduktion wachsen, die gefürchtete Strukturkrise der Industrie bleibt vermutlich aus.

Nachdem die Produktion im vergangenen Jahr um 22 Prozent gegenüber 1973 auf 3,1 Millionen Wagen zurückfiel, wird in der Branche wieder mit gleichbleibenden Zuwachsraten gerechnet. Voraussetzungen dafür sind allerdings:

  • Die deutschen Hersteller verlagern ihre Produktion nicht starker ins Ausland (Ifo).
  • Es gelingt ihnen, ihren Anteil an den Neuzulassungen zu stabilisieren (Ifo).
  • Die durchschnittliche Lebensdauer eines Autos beträgt zehn Jahre (IG Metall).

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt sieht durch diese beiden Prognosen seine These bestätigt, daß alles, was sich nach der Ölkrise vom Herbst 1973 auf dem Automobilmarkt vollzogen hat, in erster Linie ein konjunkturelles Phänomen war und mit einer Strukturkrise nichts zu tun hatte. VDA-Geschäftsführer Achim Diekmann glaubt, daß die Fabrikanten mit einigem Glück bald wieder die gewohnten Zulassungsraten erreichen werden, die vor der Krise üblich waren.

Auch bei den Kölner Ford-Werken wird der Optimismus des VDA geteilt. Sprecher des Werkes berufen sich auf ihren Chef Robert A. Lutz, der bereits im vergangenen Herbst „positive, wenn auch gemäßigte Wachstumsraten“ für die kommenden Jahre voraussagte. Daß es mit der Produktion bald wieder aufwärtsgehen wird, schließt Ford nicht zuletzt aus den sprunghaft angestiegenen Bestellungen der Händler. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurde über 90 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum geordert. ot