Hervorragend

„Air Force“ von Howard Hawks, der selber nicht sonderlich viel von diesem in Deutschland bislang unbekannten Kriegsfilm von 1943 hält. Doch „Air Force“, die Geschichte des Bombers „Mary Ann“ und seiner Besatzung in den ersten Monaten nach dem Überfall auf Pearl Harbour, ist mehr als eine kurzatmige Propaganda-Anstrengung. Gänzlich unsentimental und ohne hohlen Heroismus zeigt Hawks am Beispiel des Bordschützen Winocki (John Garfield), wie ein ziellos individualistisches Temperament Sich der Disziplin einer Gruppe fügt, wie unter Menschen verschiedener ethnischer Herkunft eine an konkrete Ziele gebundene Solidarität. entsteht: kein Lob der Unterwerfung, sondern die für Hawks-Filme typische Beschreibung professioneller Verantwortlichkeit. Die Flugszenen, photographiert von James Wong Howe, gehören zu den besten im Werk von Hawks. William Faulkner hat die Dialoge geschrieben. „Air Force“ läuft im Rahmen einer dreizehnteiligen Hawks-Retrospektive im Westdeutschen Fernsehen. (West III, 23. April)

Beachtlich

„Sie sind frei, Doktor Korczak“ von Aleksander Ford. Die letzten Wochen des großen polnischen Pädagogen und Schriftstellers Janusz Korczak im Warschauer Ghetto 1942, kurz vor dem Abtransport in das Vernichtungslager Treblinka. Korczak, dem 1972 posthum der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen wurde, ging zusammen mit den Kindern des jüdischen Waisenhauses in den Tod. Sehr behutsam und meist erfolgreich darauf bedacht, eine allzu larmoyante Pathetik zu vermeiden, schildert der polnische Veteran Aleksander Ford („Der achte Wochentag“, „Die Kreuzritter“) das Grauen jener Tage. „Sie sind frei, Doktor Korczak“, produziert von Artur Brauner, ist ein ehrenwerter, aber auch ein ehrenwert altmodischer Film. Der pingelige Naturalismus der Inszenierung, ungemein sorgfältig photographiert und ausgeleuchtet, schafft eine gelegentlich arg sterile Kulissen-Atmosphäre, die angesichts der furchtbaren Realität unangemessen bieder wirkt. Dagegen ist Leo Genn als Korczak bewegend in seiner nüchternen Menschlichkeit.

Mittelmäßig

„Eiskalt wie das Schweigen“ von Georges Lautner. Alain Delon verkauft den Markenartikel Alain Delon immer mürrischer und gleichgültiger. In diesem blassen Psychothriller nach einem Roman von Richard Matheson bleibt er maskenhaft starr bis zur Bewegungslosigkeit, nur noch ein Denkmal seiner selbst. Der sympathische Routinier Georges Lautner, der einige hübsche Kriminalkomödien gedreht hat („Das schwarze Monokel“, „Radieschen von unten“), wagt es nicht, das Image seines Stars anzukratzen. Eine weitere Schwäche des im gefällig-unverbindlichen französischen Kommerzstil inszenierten Films ist die Besetzung der neurotischen Femme fatale ausgerechnet mit Mireille Darc, die auch hier so wirkt, als könnte sie kaum bis zehn zählen.

Empfehlenswerte Filme