Stars des Show-Geschäfts in Frankreich prellten die Finanzämter um Steuern in Millionenhöhe.

Frankreichs Steuerfahnder schrecken vor nichts mehr zurück. Seit ein paar Monaten sind sie mit Vorliebe hinter den Großen des Showbusineß her. Nach den Schlagerstars Claude François, Johnny Hallyday und Michel Polnareff sowie Mireille Mathieus Manager Jonny Stark hat es jetzt Charles Aznavour erwischt. Er mußte Anfang dieser Woche vor einem Versailler Richter erscheinen, weil ihn das Finanzministerium wegen Steuerhinterziehung und Devisenvergehens in Millionenhöhe angezeigt hatte.

Die Schnüffelbrigaden von Finanzminister Jean-Pierre Fourcade zeigen auch vor den Hätschelkindern des Durchschnittsfranzosen keinen Respekt mehr. Die Klagen über Steuerflucht und -hinterziehung im Bereich selbständiger Unternehmer und freier Berufe waren so laut geworden, daß der Minister kein Auge mehr zudrücken konnte – auch nicht vor künstlerischer Finanzfreiheit.

Stolz erklärte Fourcade im letzten Juni vor der Presse, seine Spezialisten hätten 1973 nicht weniger als 46 000 Nachprüfungen vorgenommen und dabei der Staatskasse die Kleinigkeit von drei Milliarden Francs (1 Franc = 0,56 Mark) gesichert. Über 500 unwillige Steuerzahler wurden angezeigt. 1974 stieg die Zahl der Anzeigen auf 640 an, was immerhin sieben Milliarden Francs einbrachte.

Die größten. Nachforderungen stellte der Fiskus bei den Besitzern von Hotels, Cafés und Restaurants. Wenn bei diesen der Prüfer ins Haus kam, war in der Regel eine Verdoppelung der Einkommensangaben fällig. Auch Zahnärzte halten es mit der Steuerwahrheit nicht allzu genau: Sie mußten ihre Verdienstangaben nach dem Besuch aus dem Finanzamt durchschnittlich um 50 Prozent erhöhen. Ungeschlagener Spitzenreiter in der Hitliste der Steuerhinterziehung ist die Baubranche. Immobilienhändler und Bauunternehmer zeigten die größte Phantasie im Verschleiern von Gewinnen.

Die Künstlerbranche bemüht sich vor allem, Einnahmen aus Auslandstourneen nicht zu deklarieren und statt dessen auf ein Konto in Liechtenstein oder in der Schweiz überweisen zu lassen. Auch Aznavour kam mit dem Gesetz in Konflikt, weil er seinen zweiten Wohnsitz in der Schweiz zu seinem Finanzzentrum gemacht haben soll.

Immerhin versicherte Aznavour von seinem Londoner Wohnsitz aus, er wolle seine weiße Weste persönlich verteidigen. Kollege Polnareff, im Finanzgebaren genauso exzentrisch wie in der Selbstdarstellung, wählte einen ganz anderen Weg, als man ihn im September 1973 wegen Devisenschiebung (Streitpunkt 1,8 Millionen Francs) anzeigte. Er verzog sich in die USA und meldet sich nur gelegentlich mit unflätigen Bemerkungen über die Steuerverwaltung zu Wort.