Neun Tage hat es gedauert, ehe Ölproduzenten, Ölverbraucher und Entwicklungsländer auf der Pariser Vorkonferenz erkannten, daß sie sich auf eine Tagesordnung für eine Energiekonferenz nicht einigen konnten. Die Ölländer wollen mit dem Hebel des Ölpreises die Ordnung der Weltwirtschaft aus den Angeln heben und die Lage aller Rohstoffländer mit einem Schlage verbessern. Die Industrieländer waren sich uneinig und fürchteten, sie könnten erpreßt werden.

Noch ist das gemeinsame Interesse der Kontrahenten unter einem Wust von Argwohn, Verdächtigungen und Ungeschick versteckt. Die Rohstoffländer wollen ihre wirtschaftliche Entwicklung beschleunigen und auf eigenen Beinen stehen, wenn ihre Rohstoffreserven einmal erschöpft sein sollten. Die Industrieländer müssen auf einen Teil des Wohlstandes, der ihnen von Jahr zu Jahr zuwächst, zugunsten dieser Länder verzichten. Je früher sie das erkennen, um so eher können sie ihr Interesse geltend machen: Daß die Absichten der Rohstoffländer in einem Tempo realisiert werden, das auf kurze und mittlere Sicht auch für die Industrieländer akzeptabel ist.

Giscards Pariser Konferenz konnte dieses gemeinsame Ziel noch nicht freilegen. Dies war zu erwarten, weil die Industrieländer auf diese Konferenz schlecht vorbereitet waren. Irgendwann wird ein neuer Anlauf gemacht werden müssen. Bis zu diesem Zeitpunkt muß nachgeholt werden, was Henry Kissinger von Anfang an wollte: Die Verbraucherländer müssen sich eine gemeinsame Plattform suchen. R. H.