Die sprichwörtliche Nähnadel im Heuhaufen zu finden wäre ein Kinderspiel verglichen mit der Aufgabe, die sich Radioastronomen stellen würden, wollten sie systematisch Signale intelligenter Wesen aus fernen Welten aufspüren. Denn diese Lebenszeichen können aus jeder Richtung des Sternenhimmels kommen, und weil ein Radioteleskop eine kosmische Radioquelle sehr präzise anpeilen muß, hieße dies, daß das ganze Firmament Punkt für Punkt abgetastet werden müßte. Auch ist kaum anzunehmen, daß extraterrestrische Wissenschaftler – falls es sie überhaupt gibt – ihre Rufe ständig ins All hinausschicken, weshalb es zudem gilt, zur richtigen Zeit die richtige Himmelsgegend abzuhören. Mehr noch: Niemand weiß, auf welcher Frequenz Außerirdische senden – genauer gesagt: gesendet haben, denn wenn ihre Signale hier ankommen, können seitdem schon Jahrhunderte oder gar Jahrmillionen vergangen sein. Es gehört also eine gewaltige Portion Glück dazu, zur rechten Zeit auf der richtigen Frequenz die richtige Himmelsstelle anzupeilen, um Lebenszeichen zu erwischen.

Für solche Sisyphusarbeit fehlt es an Zeit, Geld, Geräten und Personal, Also muß man sich darauf beschränken, bestimmte Annahmen über die Art zu machen, wie außerirdische Wesen denken, und daraus Folgerungen über die wahrscheinlichste Sendefrequenz und Sendezeit zu ziehen. Überdies ist die Suche auf nur wenige Himmelsgegenden zu beschränken.

Hierzu haben die amerikanischen Astronomen Gordon Pace und James Walker in der Zeitschrift „Nature“ (3. April) einen Vorschlag gemacht: An einigen Stellen des Weltraums gibt es universale Uhren, nämlich Doppelsterne, die bei ihren gegenseitigen Umrandungen periodisch zwei markante Positionen durchlaufen, den Zeitpunkt größter Annäherung (Periastron) und den größter Entfernung voneinander (Apastron). Bewohner eines Planeten in einem solchen Doppelsternsystem würden als Sendezeit genau diese Zeitpunkte wählen. Denn überall in der Welt kämen die Radiosignale genau dann an, wenn dort auch das Periastron oder das Apastron zu sehen wäre, weil sich Radio- und Lichtwellen gleich schnell ausbreiten.

Mithin, so meinen die Forscher, sei es ratsam und keineswegs mit besonderen Kosten verbunden, wenn alle Radioobservatorien zu diesen besonderen Zeiten ihre Teleskopantenne auf das entsprechende Doppelsternsystem richten, um einmal zu lauschen, ob von dort etwas Intelligentes zu vernehmen ist Als wahrscheinlichste Sendefrequenz gilt seit langem schon die Frequenz der im Weltall häufigst vorkommenden Elements, des Wasserstoffs, die auch die beiden Amerikaner vorschlagen. Zwischen heute und 1980 wird es unter den Doppelsternsystemen, die im Umkreis von 300 Lichtjahren liegen, 38 dieser markanten Konstellationen geben. Vielleicht meldet sich jemand während dieser Perioden. -ow