Der Band ist so repräsentativ wie die Unternehmungen, von denen er berichtet und zu denen er offensichtlich animieren will:

"Die schönsten Kreuzfahrten", Text von Peter Gerisch; 166 Seiten, 180 Photos, 36 Karten; Accidentia Druck- und Verlags-GmbH, Düsseldorf, 1974, 78 Mark.

Das Buch ist vor allem ein Augenschmaus, auf Kunstdruckpapier, versteht sich. Am schönsten finde ich einige der norwegischen Motive, Älesund und Svolvaer beispielsweise, aber das ist sicher Geschmacksache. Manche der Aufnahmen sind indessen zu schön, da haben Klischeeanstalt und Drucker ordentlich nachgeholfen.

Wer Pläne schmieden will, wem die Qual der Routenwahl zur Entschlußlosigkeit gerät, der kann hier blättern, schauen, lesen und dann vielleicht doch zugreifen. "Die schönsten Kreuzfahrten" sind nämlich in erster Linie ein Routenbuch, vom Schiff, von der Kreuzfahrt selbst, ist, kaum die Rede, dafür um so mehr von den Ländern und Städten, die besucht werden können.

Peter Gerisch, der Autor, ein erfahrener Reisejournalist, bedient sich bei der Routenbeschreibung des klassischen Musters: 1. Westliches Mittelmeer–Westafrika–Kanarische Inseln–Atlantik. 2. Europa–Kleinasien–Östliches Mittelmeer –Ägäis–Bosporus. 3. Nordamerika–Karibisches Meer–New York–Große Antillen–Kleine Antillen. 4. Fernost–Indien–Ceylon–Malaysia–Thailand. 5. Nordeuropa–Nordmeer–Nordatlantik–Deutschland–Norwegen–Lappland– Nordkap–Spitzbergen–Island–Schottland. Das sind in der Tat alle wichtigen Routen, die von den Reiseveranstaltern und Kreuzfahrtreedern angeboten werden.

Die Beschreibung der Landschaften, die Vorschläge für Landausflüge heben sich wohltuend von den Werbesprüchen und Plattheiten der Fremden Verkehrsindustrie ab; hier schreibt einer, der sein Handwerk versteht und der weiß, wovon er redet. Zu jedem der 36 Ziele gibt es Hinweise auf kulinarische Spezialitäten, für den Einkaufsbummel und über das Klima.

Über Schiffe und das Know-how bei Kreuzfahrten erführe man dagegen gern etwas mehr. Vor allem über Preise. Kreuzfahrten sind beileibe keine Billigreisen, zu den Grundpreisen kommen Aufschläge für Landausflüge, Hafengebühren, für die Benutzung von Decksstühlen, für Getränke und nicht zuletzt die Trinkgelder. Bei Seereisen sind die Rücktrittsgebühren besonders hoch, der Versicherungsschutz für den Passagier ist äußerst unvollkommen. Wie steht es beispielsweise mit den Impfungen, wie mit den Verständigungsmöglichkeiten auf bestimmten Schiffen? Kürzlich mußte ich auf einem italienischen Schiff die Erfahrung machen, daß nicht einmal die Ober im Speisesaal Englisch sprachen. Über die besten Tips für die Wahl der Kabinen streiten sich die Fachleute. Peter Gerisch meint, je näher eine Kabine am üblichen Schiffsschwerpunkt, der Maschine, liege, desto ruhiger verhalte sie sich bei Seegang. Eine andere Lehrmeinung vertritt die Ansicht: Am besten in der Nähe des Lazaretts, was in der Tat einleuchtet; freilich ebenfalls nur der Ruhe wegen, denn von Seekrankheit wird im Kreuzfahrtgeschäft ohnehin nicht gesprochen.

Ferdinand Ranft