Umberto Silva: „Kunst und Ideologie des Faschismus“. Zu empfehlen, leider, des späten Erscheinungstermins wegen, nur im Telegrammstil: Silva richtet seine Ideologiekritik präzis auf den Geistesramsch, mit dem ein Teil der italienischen Bourgeoisie erst und der Mussolini-Faschismus später ihre Herrschaftsinteressen ausgestattet hat. Er unterscheidet zwischen einer internen Ideologie als bürgerlicher Selbstverständigung und einer bewußt falschen „Exportideologie“ als Unterdrückungsinstrument (Mussolini: „Die faschistische Revolution hat etwas tief Revolutionäres“); er weist auf die gesellschaftlichen Paranoia des Kleinbürgertums hin; er verknüpfe, schließlich, die Kunsttheorien des Futurismus, des Novecento und der faschistischen Instanzen mit einer Praxis aus Nötigung und Korruption. Für deutsche Verhältnisse ist die Souveränität des Zitierens ebenso auffallend wie die Brillanz, mit der das sperrige Thema behandelt wird. Es geht dabei nicht immer ohne Schaumkronen ab, immer aber ohne Seelsorge, ohne den Marx-Verschnitt der Seminare und ohne jene Substantivierung der Sprache, die hierzulande der Ausweis bestallter oder künftiger Denkbeamter ist. (S. Fischer Verlag, Frankfurt; 257 S. 26,80 DM.)

Hans Platschek