Unser Gesundheitssystem ist jahrzehntelang als eines der besten der Welt gepriesen, worden: Heute gerät es aus zwei Richtungen unter Beschuß. Es wird unerschwinglich teuer, sagen die einen. Es richtet mehr Schaden an, als es Nutzen stiftet, sagen die anderen.

Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen spricht für sich. Heute muß ein Pflichtversicherter jedes Jahr über einen Monat lang bloß für seine Krankenversicherung arbeiten; dabei steht zu befürchten, daß es bald zwei Monatsgehälter sein werden. So kann die Entwicklung nicht weitergehen. Aber wie läßt sie sich bremsen oder stoppen?

Dazu kommt neuerdings weltweite Kritik an Ärzten, Pharmaindustrie und Krankenversicherung. Was ist der Sinn des Heilens? Der Gesellschaftsphilosoph Ivan Illich behauptet, daß die schädlichen Nebenwirkungen der Medizin längst ihre Heilwirkungen überwuchern. Die Medizin, sagt Illich, heilt die Menschen nicht mehr, sondern macht sie krank.

Die ZEIT hat einige führende Fachleute eingeladen, um mit Illich über seine provozierenden Thesen zu diskutieren: Dr. med. Hans Harald Bräutigam, Hamburg; Professor Dr. med. Hans Schäfer, Heidelberg; Hans Töns, Direktor im Bundesverband der Ortskrankenkassen; Professor Dr. med. Thure von Uexküll, Ulm; Professor Dr. med. Hans-Georg Wolters, Staatssekretär im Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit. Es ist ein faszinierender Disput geworden. Auszüge veröffentlichen wir auf den Seiten 9 bis 15. DZ