Die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) ist bereit, weiter mit Südafrika über die Rhodesien-Frage zu verhandeln. Andere Verhandlungen schließen die 41 Staaten dagegen aus: Sie plädieren für Gewalt gegen Südafrika.

Die Einigung kam nur unter Schwierigkeiten zustande. Die Mehrheit der afrikanischen Staaten schien auf der Konferenz von Daressalam bereit, das zehn Jahre alte Rhocesien-Problem gewaltsam zu lösen, ließ sich aber von den Delegationen Sambias und Tanzanias zu einer Kompromißformel bewegen. Sambia und Tanzania hatten den Dialog mit Südafrika geführt und auch beachtliche Zwischenerfolge erzielt: Danach war Pretoria bereit, bis Ende Mai 1975 seine Polizeitruppen aus Rhodesien zurückzuziehen.

Ob dieses Versprechen jetzt noch gilt, ist ungewiß, nachdem die Konferenz Pretoria und Salisbury nicht nur Garantien für eine friedliche Lösung verweigert, sondern offen den Kampf angesagt hat. Sambias Auffassung, Südafrika habe die Notwendigkeit einer schwarzen Mehrheitsregierung in Rhodesien anerkannt, konnte die Mehrheit nicht überzeugen. Kommentare aus Pretoria ließen erkennen, daß Südafrika nun eine Politik der „weißen Festung“ anvisiert.

Die OAU-Mitglieder ließen praktisch keinen anderen Ausweg. Der Boykott gegen die weißen Staaten soll verschärft werden – dazu gehört auch die Aufstellung einer „schwarzen Liste“ jener Firmen, die gegen die OAU-Boykottbeschlüsse verstoßen und ihren Handel mit Südafrika ausweiten –, der Aufbau der Freiheitsbewegungen wird unterstützt, erneut wird die völlige Befreiung der drei Gebiete Rhodesien, Südafrika und Namibia gefordert. Die „schwarzer Enklaven“ Südafrikas werden aufgefordert, das Problem ihrer abwandernden Arbeitskräfte zu überprüfen.

Die Beschlüsse von Daressalam haben in Pretoria beträchtliche Unruhe ausgelöst. Anfangs schien es, als sei die Regierung Vorster bereit, Rhodesien preiszugeben und die afrikanischen Forderungen zu erfüllen, um sich selbst eine Frist für Verhandlungen zu sichern. Die OAU-Staaten haben dieses Spiel nicht mitgemacht. Pretoria hat nun nur noch die schwache Hoffnung, daß Sambia und Tanzania trotz der OAU-Entscheidung den Dialog fortsetzen und Maklerdienste leisten wollen. Nicht zufällig wurde in der vorigen Woche bekannt, daß Südafrika (eine Urananreicherungsanlage in Betrieb genommen habe. -bi