Wenn am 21. Mai in Stuttgart der Prozeß gegen den Kern der Baader-Meinhof-Gruppe beginnt, können sich Ankläger und Richter auf sichere Verfahrensgrundlagen stützen: Das Bundesverfassungsgericht hat die Anfang des Jahres in Kraft getretenen Änderungen der Strafprozeßordnung gutgeheißen, mit denen Prozeß Verschleppung und Durchstecherei bei der Verteidigung eines Angeklagten durch mehrere Rechtsanwälte und mehrerer Angeklagter durch einen Anwalt verhindert werden sollen.

Niemand, der einer Straftat verdächtigt wird, braucht mehr als drei Verteidiger. Bisher hatte sich das freilich aus Kostengründen kaum ein Angeklagter geleistet; deshalb fehlte anderen Verteidigern der Anlaß, in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde einzulegen. Die es diesmal taten, sind zweifellos Idealisten: Sie wären bereit, das Baader-Meinhof-Verfahren auch ohne Gewinn zu sabotieren.

Mit der Mehrfachverteidigung ist es ebenso: Jedem Laien leuchtet ein, daß es nicht gut sein kann, wenn ein und derselbe Anwalt zwei, drei oder noch mehr Angeklagte verteidigt, denen die gemeinsame Beteiligung an mehreren Straftaten vorgeworfen wird, nur mit dem Vorbehalt, nicht immer müßten auch alle dabeigewesen sein.

Hier ist der Interessenkonflikt so programmiert, daß der Verteidiger ihm erliegen muß: Er kann immer nur einen Mandanten auf Kosten des anderen entlasten – oder jeden zugunsten aller. Das aber ist gewiß nicht der Sinn eines Strafverfahrens. H. Sch.