Kiel

Als eine halbe Stunde nach Wahlschluß zwischen Föhr und Fehmarn die erste Trendmeldung im Kieler Landeshaus einging, wehrte Uwe Ronneburger die ersten Gratulanten noch ab. Doch die Freude war ihm bereits ins Gesicht geschrieben: Der 44jährige Landwirt aus Tetenbüll in Dithmarschen wußte, daß er jetzt die Ernte von vier Jahren harter außerparlamentarischer Arbeit einfahren konnte.

Es ist für Uwe Ronneburger der wohl größte Erfolg in seiner bisherigen politischen Laufbahn. Der schleswig-holsteinische FDP-Vorsitzende ruft wenig später Gerhard Stoltenberg gutgelaunt und provozierend ins Gedächtnis zurück, die CDU wisse nun wohl endgültig, welche Partei das Etikett „liberal“ verdiene.

Die Detailanalyse zeigt: der stärkste Wählerstrom ging von der CDU zur FDP. Aber auch von den Verlusten der SPD haben die Freien Demokraten – wenn auch im geringeren Maße – profitieren können. Mit guten 7,1 Prozent der Stimmen zog nun die FDP mit einer Fünf-Mann-Truppe wieder in den Landtag. Und Uwe Ronneburger, dessen Partei gerade an der Westküste überdurchschnittliche Gewinne machte, erklärt das so: „Die Leute auf dem Land sind nicht nur konservativ, sondern durch und durch auch liberal.“ So steigerte die FDP in Südtondern ihren Stimmenanteil von 3,6 auf 10,1 und in Husum-Eiderstedt, wo Ronneburger kandidierte, von 6,3 auf 10,8 Prozent.

Die Freien Demokraten, vor vier Jahren die Verlierer, jetzt die großen Gewinner der Landtagswahl, sehen ihre fleißige politische Arbeit auch außerhalb des Parlaments bestätigt. Vier eigenen Gesetzentwürfe hat eine parlamentarische Arbeitsgruppe, der Liberalen in dieser Zeit erarbeitet; ihre Sprecher waren der Regierung so unbequeme Mahner, daß Stoltenberg sich dazu hinreißen ließ, die FDP als „außerparlamentarische Opposition“ zu bezeichnen. Daß die FDP auch im neuen Parlament in der Opposition bleiben wird, daran hat Ronneburger keinen Zweifel gelassen. Und so wird die CDU mit einem Mandat Mehrheit gegen einen Block von SPD, FDP und dänischer Minderheit (SSW) regieren müssen.

Den Freien Demokraten will Stoltenberg kein Koalitionsangebot machen. Er fürchtet wohl zurecht, einen Korb zu bekommen. Ronneburger würde auch mit einer derartigen Kehrtwendung eine neue Zerreißprobe ähnlich wie 1971 nach der überraschenden Koalitionsaussäge zugunsten der SPD riskieren. Fast vier Jahre lang hat er gebraucht, um in Schleswig-Holstein eine neue FDP mit mehr als 4000 Mitgliedern auf die Beine zu bringen.

Für Uwe Ronneburger bedeutet dieser Sieg einen „Abstieg“ von der Bundes- in die Landespolitik. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende in Bonn wird sein Bundestagsmandat aufgeben; er will die Landtagsfraktion führen. Gewiß ein Opfer für den liberalen Landwirt, der sich in gut zwei Jahren auch im Bundeshaus zu profilieren vermochte. Sein Nachfolger auf der Landesliste Jens Ruge verzichtet und geht lieber in den Landtag. So zieht der Dithmarscher Landwirt Walter Peters doch noch einmal nach Bonn. In Kiel jedoch bläst nach diesem Aufwind für die Sozialliberalen dem konservativen Gerhard Stoltenberg jetzt der Gegenwind voll ins Gesicht.

Rainer Burchardt