Hervorragend

Ludwig van Beethoven: „Streichquartette op. 127, 131, 132, 135“. Aufnahmen aus den Jahren 1935–37, Dokumente eines Interpretationsstils, den man hochexpressiv nennen möchte, aber auch grüblerisch, forschend, in die Tiefe lotend, zelebrierend. In den Stücken sind für die Interpreten mehr Geheimnisse verborgen, als sie je daraus hervorholen könnten, ein mystisches Dunkel liegt über dem Rest, etwas Weihe und vor allem Glanz einer hohen Moralität Wir haben diese ehrfürchtige Distanz verloren, verlieren müssen als Technokraten von Klang und Proportion und Struktur. Aber nun hat der Produzent noch einmal programmpolitische Rücksichten überwinden können und meisterliche Aufführungen wieder zugänglich gemacht – und die zeigen uns, wieviel der heutige Stil uns auch vermissen lassen muß. (Busch-Quartett; Electrola Dacapo 147–01 668/70, 33,– DM.) Heinz Josef Herbort

Hörenswert

Ludwig van Beethoven: „Sinfonie Nr. 5“. So wie er sich am Opernpult rar macht, so selten entschließt er sich zum Gang ins Aufnahmestudio: Carlos Kleiber ist offenbar wild entschlossen, sich nicht zu häufig vermarkten zu lassen. Daß das der Qualität der Konserven nur zugute käme, ist nicht immer und ausschließlich zu behaupten: Seine Einspielung von Beethovens Fünfter („Kleibers .Erste’“ nennt sie der Produzent) fasziniert, fordert aber auch Widerspruch. Ein mitreißendes Tempo, dynamisch, energisch, spontan, rasant, feurig; kein zelebriertes Schicksal, sondern direkte Ansprache mit konsequenter Dramatik. Aber dann auch irrwitzig überdehnte Fermaten, extreme Ritardandi, krause Umdeutungen der dynamischen Vorschriften, und in Takt 267 des ersten Satzes fehlt offenbar schlicht die Pauke. Kleinigkeiten – aber sie tun dem Genie einigen Abbruch. (Wiener Philharmoniker; DGG 2530 516, 25,– DM.)

Heinz Josef Herbort

Mittelmäßig

Various Artists: „Tommy – Original Soundtrack Recording“. Auch diese zweite dramatische Version der sogenannten Rock-Oper „Tommy“ mußte trotz des Staraufgebots mißlingen, weil diese „Oper“ vorderhand überhaupt keine dramatische Struktur besaß, sondern als Songzyklus mit relativ lockerer Handlungsabfolge davon lebte, daß der Zuhörer in die Comic-Skizzen eigene Phantasie investierte. Am besten klingen immer noch jene Songs, die sich schon in der ursprünglichen Fassung verselbständigten und überhaupt keine Handlung transportieren mußten. Schon der Versuch, das Handlungsgerüst logisch schlüssiger zu gestalten, war unsinnig. Als Soundtrack in Verbindung mit Ken Russells filmischer Pyro-Technik mag diese Version vielleicht trotzdem funktionieren. (Polydor 2625 028, 22,– Mark.)