• Sie haben in diesen Tagen Korrekturen der Bonner Vermögensbildungspläne, die ja ohnedies frühestens 1978 Gesetzeskraft erlangen sollten, vorgeschlagen. Wollen Sie jetzt einen neuen Kurs steuern?

Schmidt: Ich möchte nicht sagen, daß es sich um einen neuen Kurs handelt. Aber die Überprüfung unserer Grundsatzbeschlüsse aus der vorigen Legislaturperiode hat gezeigt, daß die Vorbereitung einer überbetrieblichen Beteiligung am Zuwachs des Produktivvermögens doch langwierig und problematisch ist.

  • Problematisch ist für Sie offenbar der alte Koalitionsbeschluß, daß betriebliche Vermögensbeteiligungen der Unternehmen nicht auf deren überbetriebliche Leistungspflicht ausgerechnet werden sollten.

Schmidt: Ja. Ich bin ebenso wie mein Kollege Herbert Ehrenberg von der SPD der Auffassung, daß wir, nachdem die überbetriebliche Regelung sowieso noch länger auf sich warten lassen wird, auch eine Anrechnung der betrieblichen Leistungen überlegen sollten.

  • Die Schaffung neuer betrieblicher Vereinbarungen kommt Ihnen also gelegen?

Schmidt: Das ist richtig. Wir wollen hier mehr Anreize steuerlicher Art geben und darüber hinaus auch durch den Hinweis auf die spätere Anrechnung der betrieblichen Zahlungen an die überbetrieblichen.

  • Befürchten Sie nicht, daß dadurch das überbetriebliche Modell unterlaufen wird? Schmidt: Unterlaufen wird dieses Modell keineswegs. .Höchstens wird der Personenkreis kleiner, der für eine überbetriebliche Regelung in Frage kommt. Es wird aber Unternehmen geben, die eine betriebliche Beteiligung nicht schaffen können, und es wird die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes geben, die wir ja ebenfalls am Produktivvermögen beteiligen wollen.
  • Die verbleibenden überbetrieblichen Abgaben könnten aber so gering werden, daß die vom Gesetz Begünstigten kaum mehr etwas davon haben werden. Kommt das nicht Ihren Absichten entgegen, eine Vermögensbeteiligungspolitik auch als ein Mittel der Integration zwischen Beschäftigten und einzelnem Unternehmen zu betrachten?