Junge Leute diskutieren über die Vorzüge von Stadt und Land

Das ist für mich keine Entweder-Oder-Frage. In meinen Träumen spukt die Vorstellung von einer kleinen Stadt mit guten Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten. Die Wohnungen sollten nicht wie Waben aneinander kleben, jede Familie müßte ein Stück Garten bebauen dürfen. Zu jeder Straße gehörte eine Grünanlage mit ein paar Bäumen, Bänken, Blumenbeeten, einem Sandkasten und anderen Spielgeräten.

Das Zentrum wäre keine Hauptverkehrsstraße, sondern ein riesiger Park, dessen Rasen jeder betreten, zum Faulenzen, Spielen und Kopfstandüben benutzen dürfte. Es müßte Teiche geben mit Seerosen und Springbrunnen, wo im Sommer die nackten Füße der Schulkinder baumelten. An Stelle der üblichen klotzigen Kastenschulen wünsche ich mir viele kleine Pavillons, in denen höchstens zwei oder drei Klassen Platz finden.

Aber ich fürchte, so eine Stadt gibt es noch nicht. Elvira Köhler, 18 Jahre

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Als „Kind vom Lande“ möchte ich hier ein Plädoyer für die Stadt abgeben und eindeutig Stellung beziehen gegen das Land in seiner Kulturabgewandtheit. Lange Anfahrtswege beispielsweise bedeuten für die Landbewohner Abgeschlossenheit und Fernbleiben von jeglichem kulturellen Angebot wie Theater, Kino, Messen. Solche Hindernisse, wie sie für die Landbevölkerung wohl immer existierten, prägten im Laufe der Zeit deren Mentalität und geistige Haltung, welche man borniert, weitabgewandt und engstirnig nennen kann. Man versucht, das Leben im Grünen dadurch zu rechtfertigen, indem man behauptet, frei von Umweltsorgen wie etwa Luftverschmutzung oder Lärmbelästigung zu leben. Daß dieses Leben aber im Grunde nur Ausdruck einer provinziellen Selbstgenügsamkeit ist, wird allzu selten gesehen. Das Leben im Grünen bietet keine echte Alternative zum Leben in der Stadt. Es muß Aufgabe der Städteplaner sein, in der Zukunft mehr Platz für Grünanlagen einzuplanen, so daß man schließlich in der Stadt und zugleich im Grünen wohnen kann.

Ursula Thiel, 18 Jahre