Heinrich Böll ist mein Freund schon seit vielen Jahren. Als erster im Westen hat mir Heinrich Böll ein Dach angeboten, und wir stehen in ständigem Briefwechsel. Unserem Samisdat erwies Böll einen unschätzbaren Dienst, indem er wichtige Manuskripte, auch einige meiner eigenen Manuskripte, aus Rußland herausbrachte. Politisch denken wir in vielen Punkten verschieden. Aber ich sage immer – und nicht nur in bezug auf Böll, sondern ganz allgemein – die politische Ebene ist ein zu grobes Maß. Wir müssen nicht nur politisch denken, sondern darüber hinaus.

Alexander Solschenizyn auf einer Pressekonferenz in Paris – einige Zeitungen, namentlich des Springer-Konzerns, hatten in den letzten Monaten hoffnungsfroh über ein angebliches Zerwürfnis zwischen den beiden Schriftstellern berichtet.

Josephine Baker

Ein Entertainer-Leben: Noch zwei Tage vor ihrem Tod arbeitete sie, 68 Jahre alt, an einer neuen Show. Josephine Baker, die am Samstag in Paris gestorben ist, war, allen großen Ballerinen zum Trotz, sicher die berühmteste Tänzerin (und vielleicht auch die berühmteste Negerin) dieses Jahrhunderts. Sie wurde es auch deshalb, weil sie immer ein Schau-Objekt für weiße Voyeure war: für den sexuellen Voyeurismus, als sie in jungen Jahren ihren Körper fröhlich und nackt zeigte und damit so gar hochgebildete Leute wie Alfred Polgar zu verbalen Hitzigkeiten hinriß; später, längst zum Inbegriff der guten schwarzen Mami geworden, ein Objekt für den humanitären Voyeurismus der Boulevardpresse, die rührselig ihre großherzigen Hilfsaktionen für Kinder bestaunte. Mit ihrem Projekt „Les Milandes“ (einem Dorf, in dem sie ihre Adoptivkinder, Kinder der verschiedensten Rassen und Religionen, aufzog) erfuhr sie freilich, wie schwer es selbst winzige Utopien haben. Geld für das Unternehmen bekam sie nur mühselig zusammen: durch spektakuläre Spendenaktionen und durch Show-Auftritte bis ins hohe Alter. Vergessen sollte man nicht, daß Josephine Baker, die schöne Schwarze, die gute Schwarze, auch eine politische Frau war: Im Zweiten Weltkrieg kämpfte sie für die Resistance – als Leutnant der französischen Geheimpolizei.

Spiro Agnews 1984

Als Richard Nixons Vizepräsident Spiro Agnew im Oktober 1973 wegen Steuerhinterziehung zurücktrat und sich nach einem neuen Job umsehen mußte, verfiel er auf eine ungewöhnliche Idee: Er ging unter die Romanschriftsteller und begann ein erzählerisches Werk unter dem Titel „Eine ganz besondere Beziehung“. Der Inhalt: Im Jahr 1984 fällt ein amerikanischer Vizepräsident namens Canfield einer iranischen Konspiration zum Opfer. Die Buchrechte verkaufte Agnew (für 50 000 bis 250 000 Dollar) an den Playboy-Verlag; eine erste Folge von etwa 70 Manuskriptseiten erschien in der Frauenzeitschrift „Ladies Home Journal“, die für die Vorabdruckrechte 100 000 Dollar bezahlt haben soll. Inzwischen ist ein Jahr vergangen, und die Leser warten noch immer vergebens auf die Fortsetzung des amourösen und politischen Intrigenspiels. Seinem Agenten hat er weitere 120 Seiten geliefert, aber damit ist das Werk erst halb fertig. Woran hapert es? Eine Hypothese: Agnew ist inzwischen ins Immobiliengeschäft eingestiegen und verdiene dort genug. Eine, andere: Sein Ghostwriter sei gestorben. Die Ghostwriter-These wurde von Agnew von Anfang an bestritten, und „Newsweek“ pflichtete ihm damals prompt bei: „Der veröffentlichte Auszug ist wohl der beste Beweis dafür, daß er die Wahrheit sagt.“

Der verurteilte Verleger